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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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seine Tradition bei Sassoferrato anzuführen, die direkt( Hafnerberg[ 172]),verändert( Jeutendorf[ 171][ Abb. 30], Wien- Kaiserebersdorf[ 173][ Abb. 34])und mit der älteren Vorstellung der unter dem Kreuz stehenden Mutter-gottes verbunden( Wien- Mariahilf[ 169][ Abb. 32]) übernommen wurde. Kult-geschichtlich ist wesentlich, daß bei den Mariaschmerzensbildern von denhäufigen plastischen Pietàdarstellungen abgesehen eine durchgehende Ver-ehrung seit dem späten Mittelalter beim Gnadenbild von Raffingsberg be-steht. Alle übrigen Gnadenbilder der schmerzhaften Muttergottes sind erstin gegenreformatorischer Zeit Gnadenbilder geworden. Kultgeographischstammen ihre Vorbilder fast durchwegs aus romanischen Ländern bzw. denkatholischen Niederlanden: aus Italien( Sassoferratos Mater dolorosa[ 171-173), Spanien( Luis de Morales, Pietà[ 176]; Granada, Pietà[ 196];Madrid, Maria de la Soledad[ 197]) 290) und Flandern( Wiener- Neustadt[ 175]),wobei aber nur im Falle der Pietà von Granada, der Soledad in Madridund vielleicht auch bei der Mater dolorosa des Sassoferrato eine direkteÜbernahme ohne Zwischenglieder angenommen werden kann 291). Die Über-nahme des ikonographischen Typus der Pietà des Luis de Morales erfolgteüber die böhmischen Gnadenbilder von St. Michael in Prag oder Přestitz( 176), des Gnadenbildes von Wien- Mariahilf über das des Münchner Herzog-spitals( 169). Das Wiener- Neustädter Gnadenbild( 175) dürfte seine Her-kunft durch die politischen und künstlerischen Verbindungen Österreichszu Flandern im 17. Jahrhundert begründet finden. So spiegelt auch dieGeschichte der Gnadenbilder die politische Geschichte wieder: Während im17. Jahrhundert die Verbindungen zu Spanien, Flandern und selbstverständ-lich Italien maßgebend sind und sich die Priorität der radikalen Gegen-reformation in Böhmen gegenüber der in Niederösterreich zeigt, indem dorteben erst entstandene Gnadenbilder von relativ geringer Mächtigkeit bisnach Niederösterreich wirken, wird am Ende des 18. Jahrhunderts nachBeilegung der Spannungen zwischen Bayern und Österreich im vielleichtstärkst besuchten Heiligtum Wiens dieser Zeit, in Mariahilf, der Mutter-gottes vom Münchner Herzogsspital eine Verehrungsstätte errichtet.

Anzufügen ist hier noch ein Bildtypus, der als Andachtsbild im spätenMittelalter weiteste Verbreitung gefunden hatte, im 17. und am Anfang des18. Jahrhunderts in Wien und Niederösterreich sich zwar nicht mehr alsGnadenbild, aber im Votivbild findet. Es ist das Mariaschutzmantelbild 292).Während der ikonographische Typus und der Anlaß der Anbringung desMariaschutzmantelbildes, das sich früher an der Kapelle in Kottingbrunnbei Baden befand 293), als Pestvotivbild nur mehr rekonstruiert wer-den kann 294), ist sowohl das Votivbild der Stadt Horn 295), als auch das

290) Anzufügen wäre hier als spanisches Original die Büste der Soledad vonPedro de Mena in Wien IX., Dreifaltigkeitskirche in der Alserstraße( vgl. H. Auren-hammer, Zwei Werke des Pedro de Mena in Wien( Alte und Neue Kunst III, 1954,111 ff.).

291) Bei letzterem ist die große Verbreitung durch den Stich zu beachten.

292) Vgl. P. Perdrizet, La Vierge de Misericorde( Bibliothèque des Ecolesd'Athènes et de Rome, Paris 1908) und V. Sussmann, Maria mit dem Schutzmantel( Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft V, 1929, 285 ff., hier auch die nieder-österreichischen Beispiele im Katalog, 340 ff.).

293) 1945 zerstört. OKT XVIII, 206( Schlußstein der Kapelle 1710, Stiftung einesewigen Lichtes 1748).

294) Zum Schutzmantelbild als Pestbild vgl. Sussmann, a. a. O., 315 ff.295) OKT V, 369.

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