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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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nahme von kaiserlichen Familienheiligtümern in die Ordensverehrunghäufig: so kam die erste Maria- Schnee- Kopie in Wien( 29), die ebenfalls alsPalladium des Hauses Österreich bezeichnet wurde, durch die Tochter Maxi-milians II., Königin Elisabeth von Frankreich, 1578 nach Wien, wo weitereKopien durch die Jesuiten verbreitet wurden und seit dem Anfang des17. Jahrhunderts auch allgemeine Verehrung genossen( 31, 32, 34, 35, 36, 38).Interessant ist, daß die Verehrung des Maria- Schnee- Bildes bei den Jesuitenvon Anfang an Züge trägt, die sich durch das Entgegenkommen der Jesuitengegenüber einer selbständigen landsmannschaftlichen Vereinigung auszeich-nen. Der Gründer der italienischen Kongregation, P. Wilhelm de Lamor-maini S. J., hat auch 1635 die Kapelle zu Ehren Maria Schnee im Profeẞhausbei der Jesuitenkirche am Hof in Wien errichtet. Seit 1755 trägt die Kongre-gation den Titel Madonna della Neve". Bezeichnenderweise tragen auch diekleinen Andachtsbilder vom Ende des 18. Jahrhunderts die Aufschrift ,, coli-tur in sacello italico domus professae S. J. Viennae". So wurde auch für dieseit 1784 als italienische Nationalkirche dienende Minoritenkirche eine neueKopie des Maria- Schnee- Bildes von Christoph Unterberger angefertigt und1786 der öffentlichen Verehrung übergeben. Die dem Nationalbewußtseinentsprechende landsmannschaftliche Gliederung in Kongregationen mani-festiert sich also auch in der Verehrung entsprechender Gnadenbilder.

Die meist durch die Hofbeichtväter getragene Verbindung des Jesuiten-crdens zur kaiserlichen Familie ist auch bei der Verehrung des Gnadenbildesvon Lima maßgebend gewesen( 66). Anzunehmen ist auch eine Verbindungder Dynastie in kultischer Hinsicht zu den Benediktinern, wie die Kopiendes Andachtsbildes Ferdinands III., der Dürermuttergottes von 1512, be-weisen( 152 und S. 130).

In dieser ersten Epoche ist der Hof also als primärer kultischer Initiatoranzusprechen, so daß eigentlich nur die Jesuiten selbständige Ordensheilig-tümer verehrten: es ist dies ihr römisches Gnadenbild Maria Schnee, dessenVerehrung durch die dynastische und Ordenskomponente bestimmt ist, unddas wahrscheinlich aus den katholischen Niederlanden stammende Gnaden-bild Mater Gratiae"( 83)( Abb. 17). Ihnen sind die beschuhten Karmeliterzuzuzählen, die ihr Ordensheiligtum, die Muttergottes vom Berge Karmel( 47), verehren und mit Abstand auch die Pauliner. Das von ihnen betreuteBild in Czenstochau genießt seit Anfang des 17. Jahrhunderts in Nieder-österreich und Wien eine oft mit ihren Ordensniederlassungen verbundeneVerehrung( 15-20), ohne daß aber solche Querverbindungen zur Dynastiewie bei den Jesuiten festzustellen wären. Ergänzend zu diesem vom Hof undden führenden gegenreformatorischen Orden bestimmten Bild sind jeneGnadenbilder anzuführen, die aus der privaten Verehrung des katholischenAdels in die Bettelordensklöster abwanderten, was für die Cranach- Mutter-gottes in Tulln( 88) angenommen werden kann und in Zistersdorf( 87)erwiesen ist.

Alle bis jetzt angeführten Marienbilder byzantinischer Tradition ver-danken ihre Übernahme und Verbreitung dem Hof, dem Adel und demOrdensklerus. Daneben ist noch das vorreformatorische Moment der Fern-wallfahrten 281) nach Rom zu erwähnen, das offenbar die Ursache der Kopie

281) Über das Zurückdrängen der Fernwallfahrten in der Zeit der Gegenrefor-mation siehe G. Schnürer, Katholische Kirche und Kultur in der Barockzeit, Pader-born 1937, 724 ff.

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