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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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hier aus werden die Verehrungen bestimmter Heiliger gefördert, bzw. dieVerehrung der Katakombenheiligen ins Leben gerufen. Damit im Zusam-menhang steht die Ausstellung und Darstellung der Reliquien in Glas-schreinen innerhalb des Altaraufbaus 212), die eine Tendenz zur Sichtbar-machung der ursprünglichen Eigenschaft des Altares als Märtyrergrab er-kennen läßt und zur Anfertigung von Wachs- und Holzfiguren der ent-sprechenden Heiligen führt, welche als Ersatz von Reliquien gedacht sind( oft fehlen die Reliquien in diesen Figuren) 213). Dies wird immer deutlicher,wenn die Reliquie nicht auf oder über der Mensa, sondern in ihr in Glasverschlossen ist 214).

Doch ist im 18. Jahrhundert in Niederösterreich neben der Verehrungdes Hl. Grabes, die gerade in dieser Zeit einen großen Aufschwung nimmtund zum Bau der vielen barocken Grabkapellen führt 215), aber mehr dermystisch- didaktischen Frömmigkeit entspricht 216) noch die Verehrung desGrabes des Hl. Koloman 217) in Melk lebendig. Es gehört also innerhalb derdinglichen Grundlagen der magisch- kultischen Verehrung sowohl phäno-menologisch wie auch historisch der ältesten historisch fixierbaren Schicht an.

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Im weiteren Sinn gehört auch die Verehrung der Casa Santa in Loretozur Verehrung der Gräber und Reliquien. Sie soll, obwohl sie immer inVerbindung mit der Kultstatue der Hl. Maria Loreto auftritt, ebenfalls kurzbehandelt werden 218). Da das älteste Zeugnis für eine hohe WertschätzungLoretos, eine Bulle Clemens V. vom 18. Juli 1310( die Gründung einesKarmeliterklosters zu Weinheim betreffend), wohl vom Gnadenbild, nichtaber von der Casa Santa spricht 219) und vor 1472( oder 1465), dem Zeitpunktder Abfassung einer Belehrung der Wallfahrer durch Pietro di GiorgioTolomei, Rektor des Hl. Hauses 220), die in Form von Bildern an den Wän-den der Casa Santa befestigt Grundlage der weiteren Legendenbildungwurde, keine urkundlich gesicherte Nachricht vorhanden ist, erscheint eineGründung einer Loretokapelle 1375 in Sollenau genau nach dem Vorbildin Loreto" 221) sehr fraglich, die Annahme eines bereits mittelalterlichen212) J. Braun, S. J., Der christliche Altar, München 1924, II, 572.

213) Zum Beispiel die Ausstattung der Wallfahrtskirche auf dem Mariahilfer-berg bei Gutenstein oder die Pfarrkirche in Waydhofen an der Thaya( ÖKT VI,155 f.).

214) So z. B. in Herzogenburg, Stiftskirche, nördlicher mittlerer Seitenaltarmit Reliquie des Hl. Urbanus( 1744 erworben und aufgestellt) und in Wien,St. Peter, Seitenaltar, Hl. Donatus.

215) Vgl. M. Capra, Die Grab Christi- Kapellen in Niederösterreich( UnsereHeimat 1946, 87).

216) Es sind keine Gnadenerweise von Hl. Gräbern bekannt( vgl. Capra,a. a. O., 87).

217) Seit der Überführung durch Heinrich I. 1015 in Melk. Wenn sein Kult auchseit 1485( Hl. Leopold Landespatron!) zurücktritt, so sind doch für seine Verehrungim 17. und 18. Jahrhundert Kapellen in Stockerau( 1645), Ebenthal( um 1746), Eisgarn( 1713) anzuführen.

218) Abb. bei Maurer- Kolb, 46: Beissel, 16. und 17. Jh., 208.

219) Beissel, 16. u. 17. Jh., 432.

220) Beissel, 16. u. 17. Jh., 428.

221) Maurer- Kolb, 207. Die Unwahrscheinlichkeit der Angaben Maurer- Kolbsergibt sich weiter aus folgendem: Die Urkunde von 1375 soll die Stiftung einerKapelle durch den Herzog Albrecht und Wilhelm von Österreich und ihre MutterBlanka bestätigen. Eine solche ist m. W. nicht erhalten und auch unmöglich, daBlanka bereits am 19. 3. 1305 starb und Albrecht und Wilhelm nicht Brüder sind,sondern aus der albertinischen und leopoldinischen Linie stammen, Wilhelm zurZeit der Stiftung außerdem sehr jung gewesen ist.

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