vorschrieben 154) als auch in der Öffentlichkeit 135). Wesentlich ist, daß dieBruderschaften unter den Titeln neuer Andachtsformen, der Berufs- undsonstiger Patrone in der Mehrzahl vor der Mitte des 18. Jahrhundertsgegründet werden 136) und sich nachher die Tendenz zur Vereinheitlichungund zur Einordnung in die pastorale Praxis der Kirche auch darin zeigt, daⓇdie Initiative von den übergeordneten kirchlichen Stellen ausgeht, währenddie des Ordensklerus zurücktritt. Dafür bezeichnend ist die Gründung derBruderschaft zur„, immerwährenden Anbetung des hochwürdigsten Sakramentsdes Altares" 187), die durch Erzbischof Migazzi am 21. 7. 1772 für die drei Haupt-pfarren( St. Stephan, St. Michael, Unsere Liebe Frau zu den Schotten) erfolgtund sich bald darauf mit der alten Corpus- Christi- Bruderschaft verbindetund diese in sich aufnimmt 138). Die Tendenz, die Bruderschaften einerzweckhaften Funktion innerhalb des Lehrauftrages der Kirche zuzuführen,zeigt am deutlichsten die Geschichte der Christenlehrbruderschaft. Diesedurch die Jesuiten in Rom begründet, 1571 durch Papst Paul V. bestätigt,1607 und 1737 neuerlich begnadet wird 1711 in Wien( Innere Stadt) durchdie Jesuiten A. Sandschuster und I. Parhammer eingeführt. Sie hat einenrein didaktischen Zweck die Jugend an Sonntagen in den Glaubenswahr-heiten zu unterrichten. 1732 wird sie in den Vorstädten und auf dem Landeingeführt 139). In dem vom Jahre 1776 zur Verfügung stehenden Verzeichnisder Bruderschaften Wiens findet sie sich in den meisten Kirchen. Paralleldazu geht die Entwicklung im passauischen Teil Niederösterreichs: 1767wird vom passauischen Offizialat in Wien( Maria Stiegen) die Errichtungder Christenlehrbruderschaft in allen Pfarrkirchen, die keinen Ablaßbesitzen", angeordnet, ebenso ihre Verbindung mit der 1727 in Passaubegründeten Erzbruderschaft 140). 1769 wird in einem gedruckten Erlaẞ, derdas„ Schulwesen und das Christenlehrwesen" betrifft, befohlen, daß dieChristenlehrbruderschaft, wenn trotz often Anbefehlens noch nicht ge-schehen", einzuführen und mit anderen Bruderschaften in den Pfarren zuvereinen ist; als Vorschrift sollten die 1727 in Passau gedruckten„ Instruc-tiones" verwendet werden 141). Es ist dies eine parallele innerkirchliche Maß-nahme zu den landesfürstlichen, gegen die Bruderschaften eingestellten Ver-ordnungen, die weiter unten besprochen werden sollen.
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134) Vgl. das Bruderschaftsbuch der 1772 durch Kardinal Migazzi gegründetenBruderschaft zur Eucharistie( EBOA, Anlage zur Kurrende Wien vom 21. 7. 1772).135) Anläßlich der Heiligsprechung Josephs von Calasanz wurde das Gnaden-bild Maria Treu von der Bruderschaft Maria Treu mit einem silbernen Rahmenumgeben( EBOA, Anhang zur Kurrende Wien vom 11. 4. 1768).
136) So die Bruderschaft zum Hl. Herzen Mariae beim Kloster St. Jakob 1729,zum Hl. Herzen Jesu bei den Ursulinerinnen, Salesianerinnen, Wien II. St. Leopold1728 und zu den fünf Wunden Christi im Kloster St. Jakob 1729( Tomek, a. a. O.,311), ferner zum Hl. Johann von Nepomuk in St. Stephan 1709( Bauer, a. a. O., 215).Es fehlen die volkstümlichen Titel, die in Altbayern, Schwaben und Tirol verbreitetsind: so die Bruderschaft zu den Sieben Zufluchten( H. M. Schnell, Der bairischeBarock, München 63 und F. Zoepfl, Das unbekannte Leiden Christi[ Volk und Volks-tum III, 1938, 263 ff.]).
137) Errichtungserlaf und Bruderschaftsbuch mit Statuten: EBOA, KurrendeWien vom 21. 7. 1772.138) Bauer, a. a. O., 214.
1767.
139) Vgl. dazu Bauer, a. a. O., 216 ff.
140) EBOA, Passauer Offizialatskurrende an das Dekanat Hadres vom 25. 9.
141) EBOA, gedruckte Passauer Konsistorialkurrende an das Dekanat Hadresvom 3. 11. 1769, 17. Punkt.
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