Gnadenbildern 2), als auch jene zu heiligen Geheimnissen nach Anleitungbestimmter Vorbilder( z. B. des Hl. Ignatius zum Heiland oder des Hl. FranzXaver zum Kruzifixus) 10). Eine polemische Fixierung und rein spirituelleEinengung des Begriffes mit Beschränkung der Gegenstände der Andachterfolgte ab Mitte des 18. Jahrhunderts durch L. Muratori"), der als italieni-scher Vorläufer der Aufklärung 12) gegen die Auswüchse der damaligenPraktiken des Andachtslebens polemisierte und eine wahre", von„ Äußer-lichkeiten" freie Andacht forderte. Sein Begriff der„ wahren Andacht" wirdim ,, Tabellarischen Grundriß der Pastoraltheologie" 13) zusammen mit dem„ Pastor Bonus" des Jansenisten J. Opstraet als Vorlesebuch empfohlen undhat starken Einfluß auf die aufklärerischen Theologen und das folgendetheologische Schrifttum. Auch im Schriftverkehr der erzbischöflichen Kon-sistorialkanzlei in Wien wurde der Begriff der Andacht zu den verschiedenenGegenständen unterschiedslos verwendet 14). Es kann also in unserem Fallunter Andacht jene oben charakterisierte allgemein religiöse Haltung ver-standen werden. Eine Abgrenzung der Andacht im allgemeinen muß nurgegenüber der Liturgie erfolgen, die allerdings innerhalb ihrer Formenwieder besondere Andachten kennt 15).
Von einem solchen allgemeinen Begriff der Andacht geht auch die nach-tridentinische kunsttheoretische, ikonographische und ikonologische Litera-tur aus, wenn sie von den Imagines und Sacrae Imagines spricht, wie diesdas Konzil von Trient in der 25. Sessio vom 3. Dezember 1563 getan hat 16).So verwenden die auf dem Bilddekret des Tridentinum fußenden ikono-graphischen Schriften des Joannes Molanus 17), Gabriele Paleotti 18), FederigoBorromeo 19) bis zu Interian de Ayala 20) diese Bezeichnungen ganz allge-
9) So in„, Heilige Wallfahrtsandachten etc.", 3 Teile, Wien 1723.
10) So in den„ Täglichen Andachtsübungen zum Gebrauche Ihrer KaiserlichenMajestät der Königin zu Hungarn und Böheim", Wien o. J.
11) L. Muratori, Della regolata divozione de christiani, Venedig 1747.
12) F. Sissulak S. J., Das Christentum des Josefinismus, Die josefinische Pasto-raltheologie in dogmatischer Sicht( Zeitschrift für katholische Theologie 1949, 55 f.).
13) 1777 durch die k. k. Studienhofkommission herausgegeben, zugleich mitEinführungsdekret der Pastoraltheologie als Disziplin.
14) Vgl. Die Wiener Kurrenden des EBOA vom 10. 4. 1762 die Verehrung vonMariahilf, vom 31. 8. 1766 Heiligenkreuz- Gutenbrunn, aber auch vom 7. 7. 1735 dieTodesangst Christi und vom 5. 4. 1730 den Hl. Johann Nepomuk betreffend.
15) P. A. Schrott S. J., Die zeitbedingten Formen nachtridentinischer Frömmig-keit( Gloria Dei 1947/48, 2 ff.).
16) Sessio XXV: De invocatione, veneratione et reliquiis sanctorum et sacrisimaginibus. Zitiert nach T. Aschenbrenner, Die tridentinischen Bildervorschriften,Theol. Diss. Freiburg i. B. 1925, 142; H. Jedin, Entstehung und Tragweite desTrienter Dekrets über die Bildverehrung( Theologische Quartalschrift 160, 1935,143 ff.); Das Weltkonzil von Trient, sein Werden und Wirken, herausgegeben vonG. Schreiber, 2 Bde, Freiburg i. Br. 1951; J. Straub, Die religiösen Grundströmungender barocken Ikonographie, Theol. Diss. Freiburg i. Br. 1949.
17) De picturis et imaginibus etc., Löwen 1570; 2. Aufl: De Historia SS. ima-ginum etc. Löwen 1594.
18) De imaginibus sacris et profanis libri quinque, quibus multiplices earumabuses iuxta sacrosancti Concilii Tridentini decreto deteguntur, Ingolstadt 1594.19) De pictura sacra libri duo, Mailand 1634.
20) Pictor christianus eruditus sive de erroribus, qui passim committunturcirca pingendas atque effingendas sacras imagines, Madrid 1730.
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