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Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
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Ähnlich wie die Brauchhandlungen der Umzugsgruppen in und vor demHaus, die auf Fruchtbarkeit von Feld, Vieh und Mensch abzielen¹³, aufmännliche Nachkommenschaft, Gesundheit, Robustheit und Arbeitskraft14,und in dieser Form auch noch in den Städten weitergeübt werden( grossomodo bis zum Zweiten Weltkrieg), wo bereits ein ausgebildetes Dienstlei-stungsgewerbe vorliegt( dieses spiegelt sich z.B. in den Schattentheater-stücken vom Typ ,, Karagiozis ergreift verschiedene Berufe") 15, ist die Be-rufspalette der Lob- und Ansingelieder des Winterabschnittes relativ be-schränkt und undifferenziert, betrifft fast ausschließlich die Agrarprofessio-nen, und zwar stereotyp den Pflugbauern und Viehzüchter. Als Quellen derRuralsoziologie spiegeln sie demnach eine historische, im wesentlichentürkenzeitliche Wirklichkeit wider, weitgehend verfremdet allerdings durchidealisierende Tendenzen und volkspoetische Stilisierungen.

Im Lied auf den Hausherrn, an dessen Rolle( verheirateter Mann, Vater,Familienvorsteher, anerkannte Exponent der Mikrosozietät) sich Idealnor-men wie Tüchtigkeit, Sparsamkeit, Vorsorge, Vernunft, Mäßigkeit, sozialesAnsehen usw. knüpfen16, leitet sich dessen Idealbild von Wirtschaftformen,Gehabe und Lebensführung der Großgrundbesitzer( koçabasi) der Osma-nenzeit her, deren Lebensstandard und Verhaltensweisen dem ärmeren Land-wirt und Fronbauern mit seinen Pachtfeldern nur als Wunschziel vorge-schwebt haben können. Zwischen den Einzelberufen und unterschiedlichenVermögenslagen wird im allgemeinen nicht differenziert: der prozessionsar-tige Umgang von Haus zu Haus umfaßt die gesamte Gemeinde ohne Aus-nahme, ist festliches Begängnis der Gemeinsamkeit, ritueller Ausdruck des,, koinobiotischen" Ideals, das in Festzeiten zum Durchbruch kommt¹7 undden antagonistischen Alltag der rivalisierenden Familien für die Spanne des,, Hieros Chronos" verdrängt¹8.

Zu den Idealisierungstendenzen des Liedes tritt freilich noch ein utilitaristi-scher Zweck: den Hausherrn durch Schmeicheln zum Schenken wertvolle-rerer Gaben zu veranlassen. So führen die Überhöhungen dieser realenLebensform bis in die Sphären eines ritterlich- feudalen Idealanspruches: derHausherr wird zu einer Art Landaristokraten, dem eine große Dienerschaftdie kleinsten Handgriffe abnimmt:

13 Die Fertilität umfaßt als einheitliches Konzept Pflanzen, Tier und Mensch. AusführlicheDiskussion Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungen, op. cit., S. 137ff.

14 Zur Morphologie der Brauchhandlungen Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungen, op. cit.,S. 58- 108.

15 Vgl. W. Puchner, Das neugriechische Schattentheater Karagiozis. München 1975( Miscel-lanea Byzantina Monacensia, 21) S. 106ff.

16 Zur sozialen Rolle des ,, vouкoкúpηç" vgl. die Analysen in W. Puchner, Die Memoiren desgriechischen Revolutionsgenerals Makryjannis aus kulturanthropologischer Sicht. Südost-Forschungen 34( 1975) S. 166- 194, bes. S. 190ff.

17 Zur Diskussion Puchner, Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumserscheinungen, op. cit., S. 147, Die Memoiren,op. cit., S. 185ff., 187ff.( mit weiterer Literatur).

18 Die bereits umfangreiche Bibliographie zur Festtheorie sei hier ausgespart und bloß aufM. Eliade, Die Religionen und das Heilige. Salzburg 1954 verwiesen.

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