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Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
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der sie sich holt47, der Totengott Charos48, oder Freund Hein, der Sensenmannoder Jäger49. Die Personifikationen in Ost und West bilden ein eigenesKapitel.

Während die mythologischen Vorstellungen oft von der christlichen Leib-Seele- Trennung ausgehen, wobei die Psyche in einem Zwischenzustand biszum Endgericht in Paradies oder Hölle verweilt, ist davon in den Lamenta-tionen, den funktionell Tod und Bestattung begleitenden Klageliedern oftwenig zu spüren50. Das Klagelied gehört zum rituellen Ausdrucksrepertoireder Trauerrollen, die den sozialen Ausnahmezustand der Betroffenen signa-lisieren. Während die seit der Antike bestehende philosophische und religiö-se Trostbuchliteratur die Auferstehungshoffnung kultiviert, Jenseitskonzep-tionen wie die gerechte Schicksalswaage oder die Apokatastasis51, sehen dieunterschichtlichen Lamentationen etwa der griechischen Tradition von derAntike bis heute den Tod in seiner vollen Härte, als endgültige Separation,und kommen daher zu einer völlig negativen Einschätzung des Ereignisses52.Hans- Georg Beck hat daraus abgeleitet, daß im byzantinischen Jahrtausendeigentlich nur die Ober- und Mittelschichten vom christlichen Jenseits- Kon-zept tiefer tangiert worden sind³. Im Gegensatz etwa zu Mitteleuropa, wo

47 L. Kretzenbacher, Teufelsbündner und Faustgestalten im Abendlande Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlande. Klagenfurt 1968.48 Zu dieser byzantinischen und neugriechischen Personifikation, die den antiken Unterwelts-fährmann Charon zum Totengott erhebt, siehe D. Hesseling, Charos. Ein Beitrag zurKenntnis des neugriechischen Volksglaubens. Leiden 1897; ders., Charos rediens. Byzan-tinische Zeitschrift 30( 1929/30) S. 186- 191; D. Moravcsik, Il Carone bizantino. StudiBizantini e Neoellenici 3( 1930) S. 47- 68; M. Alexiou, Modern Greek Folklore and itsrelation to the Past: The evolution of Charos in Greek Tradition. In: Speros Vryonis( ed.):The ,, Past" in Medieval and Modern Greek Culture. Malibu, California 1978, S. 221-236.

49 Zur Vorstellung vom Schnitter Tod St. Kozaky, Die Totendidaktik der Vortotentanzzeit.Budapest 1944. Zum Makabertanz jetzt A. Rosenfeld, Der mittelalterliche Totentanz.Graz/ Köln 1968; St. Cosacchi, Makabertanz. Meisenheim/ Glan 1968.

50 Zur Funktionsvielfalt dieser Liedgattung H. Husenbeth, Toten-, Begräbnis- und Armesee-lenlied. Handbuch, op. cit., S. 463ff. Auch B. Bartók/ Z. Kodály( eds.) ,,, Laments". CorpusMusicae Popularis Hungaricae. Budapest 1966; V. B. Richmond, Laments for the Deadin Medieval Narrative. Pittsburgh 1966.

51 Zur Apokatastasis vgl. L. Atzberger, Geschichte der christlichen Eschatologie innerhalbder vornicäischen Zeit. Freiburg/ Br. 1896, S. 402ff.; A. Staehelin, Die Wiederbringungaller Dinge. Basel 1960; A. Theodoros, Η περί αποκαταστάσεως των πάντων ιδέα( στоρкý εлσкóлησiç). Theologia 30( 1959) S. 179ff.; L. Kretzenbacher, Versöhnungim Jenseits. Zur Widerspiegelung des Apokatastasis- Gedankens in Glaube, Nachdichtungund Legende. München 1971.

52 Vgl. die ausgezeichnete Untersuchung von M. Alexiou, The ritual lament in Greektradition. Cambridge 1974. Ferner F. Boehm, Die neugriechische Totenklage. Berlin 1947;R. M. Dawkins, Soul and Body in the Folklore of Modern Greece. Folk- Lore 53( 1942)S. 131-147; J. Mavrogordato, Modern Greek Folk- Song of the Dead. Journal of HellenicStudies 75( 1955) S. 42- 53; E. Reiner, Die rituelle Totenklage der Griechen. Tübingen1938; M. Joannidu, Untersuchungen zur Form der neugriechischen Klagelieder. München

1938.

53 H.-G. Beck, Die Byzantiner und ihr Jenseits. Zur Entstehungsgeschichte einer Mentalität.München 1979.

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