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Gemeinsame kulturelle Strukturen
Die Vereinsfreudigkeit
Die Schweizer sind ein vereinsfrohes Volk; Vereine sind aus dem Lebenin Dorf und Stadt nicht wegzudenken; fast jeder Schweizer ist Mitglied einesoder mehrerer Vereine. Die Geschichte dieser Vereinsinnigkeit weist ins 18.Jahrhundert zurück, in die Zeit der ökonomischen und philanthropischenGesellschaften. Zu einer eigentlichen demokratischen Grundbewegung wur-de das Vereinswesen aber erst im 19. Jahrhundert. Der Historiker Hans- UlrichJost hat aufgrund von eingehenden Erhebungen errechnet, daß in derSchweiz des 19. Jahrhunderts mindestens 30.000 Vereine gegründet wordensind. Dabei stieg die Wachstumsrate nach 1860 parallel zur wirtschaftlichenund demographischen Entwicklung. Um die Jahrhundertwende entfielen auf1000 Einwohner rund 10 Vereine. Der Schwerpunkt des Vereinswesens lagim 19. Jahrhundert in den protestantischen Städten; die katholischen Kan-tone waren weniger vereinsfreudig, zumal sie eher zu den ländlichen Regio-nen der Schweiz gehörten. Allerdings müßten bei dieser Aussage die vielenreligiösen Standesorganisationen, wie sie das 19. Jahrhundert unter kirchli-chem Patronat hervorbringt( Jungfrauenvereine Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauenvereine, Frauen- und Mütterverei-ne, Katholischer Männerbund, Cäcilienverein etc.), mitberücksichtigt wer-den.
Zu den klassischen Vereinen des 19. Jahrhunderts gehören die Schützen-,Turn-, Sänger- und Musikvereine. Sie schlossen sich verhältnismäßig frühzu gesamtschweizerischen Dachorganisationen zusammen: 1822 die Schüt-zen, 1832 die Turner, 1842 die Sänger; 1862 wurde der EidgenössischeMusikverband( Dachorganisation der Blasmusikvereine) gegründet. Dazukamen später die Verbandsgründungen jener Vereine, deren Aktivitäten alsbesonders schweizerisch empfunden wurden: Schwingerverband 1894,Hornusserverband 1902, Jodlerverband 1910.
Zu wichtigen, in ihrem Charakter unverwechselbaren Anlässen wurdendie regelmäßig durchgeführten eidgenössischen Verbandsfeste, die sich vorallem im 19. Jahrhundert durch eine hochgemute Vaterlandsbegeisterung,durch pathetische Reden und inbrünstige Lieder, eine reiche Emblematikund entsprechende Rituale, schließlich durch eine eigene Festarchitekturauszeichneten. Diese eidgenössischen Feste, eigentliche Nationalfeste, wa-ren zwar in der Frühphase durch deutsche Vorbilder beeinflußt, entwickeltensich aber in der Folge zu eigenständigen demokratischen Anlässen, diekulturelle Schöpfungen des 19. Jahrhunderts darstellen. Sie wurden zueinem wichtigen Faktor der politischen Bewußtseinsbildung. Die Feste, an
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