Das Ferne ist oft fast so vertraut wie das Nahe, will sagen im gleichen Maßeschlecht und oberflächlich. Früherfahrung und Früherschließung auch fern-liegender Räume haben schon in der Kindheit ein anderes Bewußtsein vonUmwelt geschaffen; der dauernde Zwang, die Notwendigkeit, täglich größe-re Distanzen zurückzulegen, veranlassen den Menschen, Elemente der Be-heimatung auszulagern, zu einer bi- oder multilokalen Identität. Dies erfolgtauch zum Zwecke, die eigene Existenz erträglich zu machen: Wie anderswokompensieren die Schweizer die frustrierende Wirklichkeit etwa des Woh-nens in lärmigen und beengenden Stadtverhältnissen durch Zweitwohnun-gen in den Bergen, durch Ferien am Strand, in Spanien usw., generell durchdie Verwirklichung von Sehnsüchten, welche die Reklame geschickt überalle Medienkanäle anspricht.
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Güller, Peter, Thomas Busset, Hans Rudolf Schäfer und Pascal Regli: Löst der Verkehr dieStadt auf? Zürich 1989.
Die Schweiz- ein politisch bewegtes Land
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts dominierten dieklassischen Parteien die politische Szene des Landes. Sie hatten sich zwarim Laufe des 19. Jahrhunderts gebildet, aber meist erst in diesem Jahrhun-dert zu Landesparteien zusammengeschlossen. Es waren dies die Freisinnig-demokratische Partei( 1894 als Landespartei gegründet), die Partei desbürgerlichen Mittelstandes, die Christlichdemokratische Volkspartei( 1912), eine katholisch orientierte Partei der Mitte, die SozialdemokratischePartei( 1888) als größte Partei der Linken, die Schweizerische Volkspartei( 1936/37), die sich als Partei der Bauern und des Gewerbes verstand. Diegenannten Parteien sind heute in der Landesregierung vertreten( im Verhält-nis von 2: 2: 2: 1; der erste Sozialdemokrat trat 1943 in den Bundesrat ein).Daneben gibt es noch eine Reihe kleinerer Parteien, die nicht an der Regie-rung beteiligt sind, aber im Parlament ihre Bedeutung haben. Die im Ver-gleich zu andern Ländern ausgesprochene Vielfalt der Parteien im Parla-ment, die durch keine Minimalklausel beengt wird, erklärt sich durch dasProporzwahlsystem, das auch kleinen Gruppen eine Chance gibt. Zudemläßt sich in der Schweiz viel weniger deutlich zwischen einem Regierungs-lager und der Opposition unterscheiden.
Im Anschluß an die 68er Bewegung bildeten sich aber auch in derSchweiz in den letzten zwanzig Jahren vielseitige sozial- politische Bewe-
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