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Die Schweiz zwischen Hirtenidylle und High-Tech-Performance : eine volkskundliche Annäherung
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Der Schweizer und sein Arbeitsethos

Der Schweizer besitzt ein ausgeprägtes Arbeitsethos. Dabei wirken hi-storische Prämissen nach: das Bewußtsein, in einem Land zu wohnen, dasvon der Natur her nur geringe wirtschaftliche Ressourcen aufweist, das nochum die Mitte des 19. Jahrhunderts zu den unterentwickelten Ländern Euro-pas zählte, mit einer großen Armutsquote und der Notwendigkeit, demogra-phische Überschüsse als Arbeitskräfte in die Emigration zu entlassen. Diepositive Einstellung zur Arbeit als einem Wert an sich äußert sich auch ineiner spezifisch schweizerischen Unternehmenskultur, wie neue Untersu-chungen gezeigt haben. Der Schweizer sieht in seinem Unternehmen einenZweckverband, an dessen Wohlbefinden alle Beteiligten interessiert sind.Antagonismen werden dadurch gemildert. Sauberkeit, Pünktlichkeit undPräzision, eine Abneigung gegen zu große, bürokratisch geleitete Betriebe,eine Vorliebe für Unternehmen, in denen der Einzelne seinen Stellenwerthat, kennzeichnen des Schweizers Verhältnis zu seiner Arbeitswelt. Für ihnist jede Arbeit gut und sorgfältig zu machen; aus seiner Arbeit bezieht derSchweizer seine Würde und sein Qualitätsbewußtsein. Dadurch liegt aberauch in der Arbeit ein sozialer Integrationsfaktor: Wer gute Arbeit leistet,erhält Anerkennung, über alle Standesunterschiede hinaus. Ausdruck dieserGrundhaltung, der Wertschätzung des eigenen Betriebs sind die zahlreichenund regelmäßigen Betriebsfeste, die Firmenausflüge, aber auch die Firmen-zeitschriften.

Seit den siebziger Jahren wird in der deutschsprachigen Volkskunde dieArbeiterkultur als selbständiger Forschungsgegenstand thematisiert. Es istdies die Frage nach eigenständigen Formen in der Lebensweise der Arbei-ter- Bevölkerung, also bei der Gestaltung der Arbeit, der Freizeit, der Gesel-ligkeit, beim Essen und Trinken, im Heiratsverhalten und in den Grundwer-ten. Dabei ist die Arbeiterkultur im Sinne des alltäglichen Lebensvollzugsvon der Arbeiterbewegungskultur, also den agitatorischen und kulturell- po-litischen Formen zu trennen. Selbstverständlich kann eine solche Arbeiter-kultur nicht losgelöst von der Gesamtkultur studiert werden; sie ist darineingebettet.

Die Erforschung des Arbeiteralltags in der Schweiz ist nicht sehr weitgediehen; es gibt zwar einige vorzügliche historische Arbeiten zu lokalenVerhältnissen; aber vor allem für die neueste Entwicklung- im Zeichen derHochkonjunktur- fehlen entsprechende Untersuchungen weitgehend. Zu-dem kennt die Schweiz keine großen, zusammenhängenden Industriegebietemit einer betont proletarischen Bevölkerung, wie sie etwa das deutscheRuhrgebiet aufweist. Anderseits blieb gerade im 19. Jahrhundert die Arbei-terschaft stark mit den ländlichen Ursprüngen verhaftet, was heute noch fürneo- industrialisierte Gebiete wie das aargauische Fricktal zutrifft, wo dieBasler Chemie erst seit den sechziger Jahren ihre Fabrikbauten errichtet hat.

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