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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
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225
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Die Entwicklung des slowenischen ethnologischen

Denkens

Slavko Kremenšek

Zwei Elemente stehen in Slowenien heute als Gegenstand der ethnologischen For-schung im Vordergrund: die Lebensweise und die Volkskultur, womit sowohl auf-klärerische als auch romantische Komponenten in der Entwicklung des ethnologi-schen Denkens lebendig sind. Die Volkskultur kann dabei als relativ selbständigeStruktur der Untertanenklasse in der Zeit des Feudalismus aufgefaßt werden. Sogesehen würde es sich nur um Überreste eines vergangenen Kulturzustandes han-deln. Doch gelten unter den Forschern der Volkskultur auch andere Vorstellungen,nämlich, daß es sich bei der Volkskultur um eine ungebundene, meist spontane Kre-ation handle, die nicht nur auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt ist. Was dieLebensweise betrifft, handelt es sich um ein Interesse für alle Stufen der gesell-schaftlich geschichtlichen Entwicklung und prinzipiell um alle ethnischen Gruppen.Die ethnologische Auffassung von Lebensweise kann auch mit dem Wort Alltagzum Ausdruck gebracht werden.

Einzelne Daten über die Volkskultur und die Lebensweise im obenerwähnten Sinnesind für den slowenischen ethnischen Raum in Reisebeschreibugen, in der historio-graphischen, religiösen und anderen Literatur seit dem Humanismus und der Re-naissance zu finden. Als Beispiel ist hier das Tagebuch von Paolo Santonin von sei-ner Reise durch Kärnten, Krain und Steiermark gegen Ende des 15. Jahrhundertsoder das Werk des venezianischen Historikers Marino Sanuda für die Jahrhundert-wende des 15. und 16. Jahrhunderts zu erwähnen, ferner die Schriften der slowe-nischen protestantischen Verfasser, in erster Linie Primož Trubar und Jurij Dalma-tin. Wichtige ethnologische Daten über die Völker von Südost- und Osteuropaschrieben Benedikt Kuripečič und Sigmund Herberstein nieder, die in der 1. Hälftedes 16. Jahrhunderts an diplomatischen Missionen nach Konstantinopel und Mos-kau teilnahmen. Im 18. Jahrhundert erschienen Berichte einiger slowenischer Je-suitenmissionare aus Übersee. Die erste bewußte und verhältnismäßig systemati-sche Schilderung ethnologischer Erscheinungen eines beträchtlichen Teils des slo-wenischen ethnischen Gebietes stammt jedoch vom Ende des 17. Jahrhunderts.Das ist das Werk von Johann Weikhard Valvasor Die Ehre des HerzogthumsCrain", erschienen vor genau 300 Jahren, im Jahre 1689. In diesem Werk werdenunter anderem auch einige Bräuche, Formen des Aberglaubens, Arbeitsgewohn-heiten und die Tracht behandelt.

Der Anfang von kontinuierlichen ethnologischen Fachbestrebungen ist in Slowe-nien, so wie meist auch in anderen europäischen Ländern, mit der Aufklärung ver-