Druckschrift 
Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Verwendung und Bedeutung von Bienenerzeugnissen

in Slowenien

Gorazd Makarovič

1. Der Honig

1.1. Der Honig als Ware

Die Bienenhaltung der Alpenslawen soll indirekt durch Niederschriften aus denJahren 722 und 777 belegt sein. Aufgrund von einigen, allen Slawen gemeinsa-men Imkereiausdrücken kann jedoch angenommen werden, daß den Slawen dieBienenhaltung schon in ihrer Urheimat bekannt war und daß die Alpenslawen nachihrem Seẞhaftwerden weiterhin Bienen gehalten haben. Es gibt verschiedene Indi-zien dafür, daß die Alpenslawen sowohl das Honigsammeln von wilden Bienen imWalde als auch die Zeidelwirtschaft praktizierten. Nach der Festigung von feudal-herrschaftlichem Bodenbesitz, der die Nutzungsrechte der Wälder an sich riẞ,mußte der Schwerpunkt der Bienenhaltung in die Nähe des Wohngebäudes verla-gert werden. Seit dem 13. Jahrhundert ist die Bienenhaltung durch Abgabevor-schriften in Urbaren in Form von Bienenstöcken, Honig und Wachs belegt. Die Ur-barabgaben in Form von Bienenstöcken sprechen für eine häusliche Bienenhal-tung, die jedoch mit Sicherheit älter ist. Jedenfalls darf unter der Bauernbevölke-rung mindestens seit dem 15. Jahrhundert eine ununterbrochene Produktion undallgemeine Verwendung von Bienenerzeugnissen angenommen werden, die sichmit der Verbreitung des Buchweizens enorm steigerten.

Bis zur Zeit nach den Kreuzzügen, als aus dem Osten der Rohrzucker nach Europagebracht wurde, stellte der Honig das einzige bekannte Süßungsmittel dar. Nochlange Jahrhunderte wurde der Zucker jedoch nicht in der Ernährung verwendet,sondern als Arznei und Chemikalie. Bis zum 16. Jahrhundert hatten nur die Apo-theker Zucker und noch im 17. Jahrhundert wurde Konfekt in der Apotheke bestellt.In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als der Import des Rohrzuckers aus Su-rinam begann, fand er allmählich auch in die Küchen Eingang, vorerst natürlich nurbei hohen Herrschaften. Ein Grund dafür war der hohe Preis; gegen Ende diesesJahrhunderts kostete z. B. in Krain ein Pfund Zucker 40-60 Kreuzer, während einPfund Honig in Krain nur 2 Kreuzer kostete. Erst nach der Gründung der ersten Rei-nigunganlage für den Rohrzucker auf Mauritius im Jahre 1735 kann von einemDurchbruch des Zuckers in der europäischen Ernährung die Rede sein. Obwohl dieZahl der Reinigungsanlagen in Europa im 18. Jahrhundert wuchs und es in der er-sten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits einige in Slowenien gab, war der Zucker