Druckschrift 
Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Bräuche und Glauben in der slowenischen Bienenhaltung

Ida Gnilšak

Eine Legende aus Oberkrain erzählt, wie die Bienen in unsere Heimat gekommensind. Der naschsüchtige Noah habe einen Bienenschwarm in seine Arche ein-geschmuggelt. Als die Gewässer zurückgingen, blieben die Bienen allein zurück. Eswechselten mehrere Generationen und als die Unterkunft zu eng wurde, führte einejunge, während der Sintflut geschlüpfte Weisel drei Generationen in die Höhle einerPalme. Beim vierten Mal kam ein Sturm auf und der Schwarm wurde bis nach Krainverschlagen.

Die empfindlichen Bienen wurden seit jeher sehr umsorgt. Vor Unbilden und Zau-bersprüchen werden sie durch verschiedenste Mittel geschützt. Wenn der Imkerüber die Bienen ein Kreuzzeichen macht oder die Handfläche gegen das Bienen-haus wendet und dabei geheimnisvolle Worte murmelt, kann jede Gefahr von denBienen abgewendet werden. Eine Hostie im Bienenhaus macht die Bienen starkund bringt dem Bienenhalter viel Honig. In Prekmurje hieß es, die Hexen hätten kei-ne Macht über die Bienen, wenn auf dem Bienenhaus ein Pferdekopf angebrachtist. Derselbe Glaube kommt auch in Weißkrain vor, dort halfen aber auch Marienli-lien im Garten. Der Imker konnte seine Bienen vor Zaubersprüchen bewahren,wenn er einen Kranz aus ausgeblasenen Eiern vor das Bienenhaus auf den Bodenlegte. In Steiermark durften zwei nicht dasselbe Handtuch verwenden, sonst wärendie Bienen eingegangen. Ein besonders wirksames Schutz- bzw. Anregungsmittelwar der Schlund eines Fuchses oder noch besser eines Wolfes am Flugloch zur Zeitdes ersten Frühjahrsflugs. Das sollte den Bienen außerordentliche Kraft verleihen,was wohl mit der Heilkraft des Hindurchgehens" zusammenhangen könnte. AuchKinder wurden nämlich durch eine Astgabel gezogen, was ihre Gesundheit ge-währleistet haben soll.

Den Bienen eines Feindes versuchte man jedoch auch zu schaden. Unter das Bie-nenhaus gelegtes Sargholz kann die Bienen zu demjenigen locken, er es hingelegthat. Die Bienen gehen ein, wenn man einen Krebs ins Bienenhaus bringt. Man kannseine Bienen auch dazu bringen, daß sie fremde Bienenstöcke ausrauben, wennman ihrem Futter Schnaps zugibt. Vor räuberischen Bienen konnten sie jedoch ge-schützt werden, wenn man das Flugloch mit der Milch einer zum ersten Mal kal-bende Jungkuh bestrich. Wegen der einst üblichen Art der Beutenaufstellung imBienenhaus konnten diese sehr leicht geraubt werden. Als Schutzmittel gegen denBienendiebstahl verwendeten einige Bienenhalter einen Lappen, den sie an derWunde einer dreijährigen Sau, die in ihrem Leben 33 Ferkel geworfen hatte, rieben.