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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
Seite
83
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Malereien an Stirnbrettern der Bienenstöcke

Gorazd Makarovič

Bienenstock und Bienenhaus

Die Malereien an Bienenstock- Stirnbrettern( liegend rechteckig, prismatisch in derForm) werden gemeinhin Bienenstockstirnbrettermalereien genannt. Am Bienen-stock wird nur das vordere Brett bemalt, das meist zwischen 12 und 15 cm hochund sehr verschieden lang ist. Das Verhältnis von Höhe und Länge ist meist 1: 1,8und 1: 3,5, am häufigsten jedoch 1: 2,3. An dieses bemalte Stirnbrett werden an al-len vier Seiten Bretter angenagelt, die den kastenförmigen Bienenstock bilden; dasobere oder untere Brett ist manchmal nicht fix. Das untere Brett ist vorne verlängertund verjüngt sich konisch, so daß ein Bart" entsteht, eine kleine Fläche, auf dersich die Bienen beim Anflug niederlassen können. Das bemalte Stirnbrett weist vor-ne in der Mitte eine kleine rechteckige Öffnung, das Flugloch, als Eingang zum Bie-nenstock auf. Slowenische Bienenstöcke sind meist aus gesägten Weichholzbret-tern gearbeitet, manchmal auch aus Hartholz; sie sind jedoch in der Regel geho-belt. Die Bretter sind meist um 14 mm stark, besonders die aus Hartholz könnenauch stärker sein. Das Stirnbrett ist oft aus einer anderen Holzart und anders gear-beitet als die übrigen Bienenstockbretter. Auch die Stärke der Stirnbretter unte-scheidet sich manchmal von der Stärke der anderen. Die Malereien an den Stirn-brettern sind in der Regel mit Ölfarben ausgeführt, mit unterschiedlich dicken Pin-seln. Das Malverfahren war immer denkbar einfach: ein gut geglättetes Brett austrockenem Holz wurde mit Ölfarbe grundiert, diese Farbe bildete den Hintergrundder Bemalung; nachdem diese Farbschicht getrocknet war, wurde darauf gemalt.Das Verfahren war jedoch technologisch sehr solide; trotz der Witterung, gegendie die Stirnbretter nicht geschützt waren, sind sie ungewöhnlich gut erhalten. Die-se Tatsache dürfte der Beständigkeit von Erdfarben und dem hausgemachtenLeinsamenöl zuzuschreiben sein; außer diesen Mitteln wurde nur noch Terpentinverwendet. Die Farbschichten sind sehr dünn aufgetragen; dadurch wurde einesehr gute Bindung der Farbschichten mit der Holzunterlage und eine große Dauer-haftigkeit erzielt. Gemalt wurde meist freihändig, ab und zu wurden jedoch auchPatronen oder Schablonen verwendet. Eine in Farbe aufs Papier aufgetrageneZeichnung wurde auf die Holzunterlage abgedruckt; dieser Abdruck diente alsHilfsmittel bei der Malerei. Eine andere Verfahrensweise war bei der Verwendungvon Papierschablonen mit gelöcherten Umrißzeichnungen üblich. Man legte dieSchablone auf das Stirnbrett und beklopfte es mit einem mit gemahlenem Farb-pigment gefüllten Stoffsäckchen. Auf diese Weise entstanden am Stirnbrett ge-punktete Umrisse der Vorlage.