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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
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Vorwort

Das Bild vom glücklichen Zeidler, der einen Bienenschwarm im frischgezimmertenBienenkasten einfängt und ihn darin mit einem ziervollen Bienenstockstirnbrettchenverschlossen hält, um so zeitweilig Ausbeute gewinnen zu dürfen, soll einem Mu-seumsdirektor gestattet sein: Denn dieser ist nicht weniger glücklich, daß er in sei-nem von Grund auf freilich noch immer nicht zur Gänze-, von außen und innenerneuerten schönen Haus zum vorläufigen Neubeginn eine umfassende Sonder-ausstellung eines gutbenachbarten Volkskundemuseums empfangen und daraus Nutzen" ziehen darf. Das von einem ähnlichen Schicksal behaftete, d.h. auch inSanierung und Umbau befindliche Slowenische Ethnographische Museum in Ljub-ljana stellt unter der beherzten Hilfestellung und Mitwirkung des Kultur- und Infor-mationszentrums der SFR Jugoslawien in Wien dem Österreichischen Museum fürVolkskunde für eine gute Zeit die Ausstellung zum gemeinsam formulierten Thema Der Mensch und die Biene. Die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirt-schaft und Volkskunst" zur Verfügung.

Die Ausbeute" dieses partnerschaftlichen Ausstellungsprojektes soll beiden Seitenzugute kommen, bzw. tut dies bereits in dem Maße, als in der tatsächlichen Koope-ration der Institute und der Personen schon ein anfänglicher Gewinn erwachsenist. Darüber hinaus möge die Ausstellung dreierlei signalisieren: Zuerst wird die Lei-stung der slowenischen Ethnographie/ Volkskunde sichtbar, die mit dieser Ausstel-lung und im begleitenden Buch den für die traditionelle Gesellschaft bis heute nichtunbeträchtlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aspekt der Bienenhaltung undHonigbereitung im südöstlichen Alpenraum in umfassender Analyse und Zusam-menschau erarbeitet hat. Im Zentrum der komplex aufbereiteten Darstellung ste-hen mehrere hundert bemalte Bienenstockstirnbretchen, die im späten 18. und be-sonders im 19. Jahrhundert bei den Slowenen sich zu einer eigenen Gattung ge-nuiner Volkskunst herauskristallisiert haben und ungeachtet ihrer speziellen regio-nalen Prägung dennoch in das volkskulturelle Kontinuum des mitteleuropäischenBereiches eingefügt sind. Zweitens: Die Ausstellungskooperation zwischen Ljublja-na und Wien kann sich auf die gleichgearteten fachgeschichtlichen Grundlagen derEthnographie/ Volkskunde in einem einst weitergestocken Staatsganzen berufenund trotz aller Dialektik unserer Zeitgeschichte auf viele Wegstücke des ge-meinsam gesuchten Weges( Stichwort: freie ethnographische/ volkskundliche Ar-beitsgemeinschaft Alpes Orientales" der fünfziger bis siebziger Jahre) verweisen,der in der Gestalt einer neuformulierten Ethnologia Europaea in eine Zukunft deu-tet, deren Konturen im Augenblick nur erahnt werden können. Und drittens: Einer