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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
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Ida Gnilšak

Dieser Lappen mußte ganz links unten, unter die unterste Beute hineingestopftwerden. Übrigens brachte eine geraubte Beute kein Glück. Wenn sie in ein Bienen-haus gestellt wurde, gingen alle anderen Bienen ein. Doch ist noch heute ein genauumgekehrter Glaube lebendig: die Bienen gedeihen besonders gut, wenn es im Bie-nenhaus eine gestohlene, eine geschenkte und eine gekaufte Beute gibt. Ebensomuß bis zum heutigen Tag der Tod des Imkers seinen Bienenvölkern mitgeteilt wer-den, sonst sterben sie oder fliegen weg. Der Imker kann auch mit seinem Verhaltenden Erfolg der Bienenhaltung beeinflussen. Wenn er flucht, werden ihm die Bienenwenig Honig sammeln. Wenn Bienen verkauft werden, darf dabei nicht betrogenwerden, sonst wird mit dem Bienenvolk auch der Segen mitverkauft. In der Steier-mark galt es jedoch, daß bei einem Verkauf von Bienenvölkern nicht mit Gled, son-dern mit einer anderen Sache bezahlt werden mußte. In Weißkrain wurde gewöhn-lich mit Getreide bezahlt. In der Umgebung von Murska Sobota wurde das Gefäß, indem der Imker Honig gebracht hatte, mit Getreide angefüllt zurückgegeben, derSchenker hatte dann mehr Bienen und mehr Honig.

Das Ausfliegen der Schwärme ist für die Bienenhalter eines der wichtigsten Ereignis-se. Neben Erfahrungsmitteln wurden beim Einfangen der Schwärme auch magi-sche Mittel eingesetzt. Schon J.W. Valvasor( 1689) beschreibt, wie man einenSchwarm einfangen kann. Man muß auf eine Eisenpfanne einschlagen und dazupfeifen. In späteren Zeiten schlug man mit dem Schleifstein auf die Sense. DerLärm, der dem Gewitterlärm ähnlich sei, würde den Schwarm zur Umkehr oderzum Ansetzen bringen. Doch mußte man bei jungen Schwärmen noch mehr auf-passen. In Prekmurje galt es zum Beispiel, daß ein solcher Schwarm nicht mehreingefangen werden konnte, wenn man ihn unter der Hand hindurch anblickte. AlsMittel gegen das Entfliegen half ein Brombeerzweig aus dem am Palmsonntag ge-segneten Palmbusch, der den Boden berührt und Wurzel geschlagen hatte. EinenSchwarm wird derjenige fangen, der am Fastentag( vor Weihnachten) eine Fliegegefangen hat. Das galt in Prekmurje. Ebenfalls in Prekmurje galt es, daß derjenige,der einen Tag vor Georgi einen Schmetterling einfing und ihn unter der Haus-schwelle vergrub, noch in demselben Jahr einen Bienenschwarm zu fassen bekam.

Wie das Ausschwärmen war auch das Trennen von Honig und Waben ein wichti-ges Ereignis. Der Honig war Nahrungs- und Süßungsmittel, außerdem wurde er inder Volksmedizin für die Behandlung von fast allen Krankheiten verwendet. Kurzat-migkeit wurde in Kärnten mit auf Fett und Honig gedünsteter Zwiebel behandelt,die morgens auf nüchternem Magen zu essen war. Noch heute wird bei Husten inheißer Milch aufgelöster Honig verwendet. Seit Alters her wird Rheumatismus mitBienenstichen behandelt. Schwindsucht und Brustkrankheiten überhaupt wurdenmit einem Absud aus Wein, Feigen, Weinraute, Dost und Honig behandelt. Wennjemand nach einem Bienen- oder Wespenstich im Hals eine Wunde bekam, mußteer eine Mischung von Honig, Öl und Essig löffelweise schlucken. Bei Drüsen-schwellugen wurde die geschwollene Stelle mit einem Leinentuch bedeckt, auf dasman eine Mischung aus Honig und gestoßenem Majoran getan hatte. In Weiß-krain, in der Umgebung von Tolmin und von Cerknica glaubte man, daß anstelle