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Der Mensch und die Biene : die Apikultur Sloweniens in der traditionellen Wirtschaft und Volkskunst ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien = Človek in čebela
Entstehung
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Gorazd Makarovič

Die Motive der figuralen Volksmalerei wie z. B. bei der Hinterglasmalerei, bei Fassa-denmalereien und auf Bauerntruhen entsprechen weithgehend jenen der Bienen-stockstirnbretter. Sie erreichen nicht ihre Vielfalt.

So lassen sich bei der Hinterglasmalerei kaum über hundert verschiedene Motivefeststellen. Die große Motivvielfalt der Bienenstockmalerei weist auf eine Spezifikhin, die auch mit nichtästhetischen, utilitaristischen Funktionen verbunden ist, dieim Kapitel über die Gründe und Vorbedingungen der Entstehung dieser Malerei er-wähnt werden.

Die bunte Motivwelt der Bienenstockmalerei wurde nach Vorlagen und nach eige-nen Vorstellungen von den Malern selbst erschaffen. Doch spielten auch die Ab-nehmer, die Käufer, dabei eine entscheidende Rolle. Zumindest für das 19. Jahr-hundert, für das eine ausreichende Zahl von Bienenstockbrettern erhalten ist, kannangenommen werden, daß diese Motivwelt der Bauernbevölkerung aus dem Her-zen sprach.

Als warnendes Beispiel gegen eine einfache Übertragung unserer heutigen Auffas-sungen in die bäuerliche Umwelt des 19. Jahrhunderts kann z. B. das Motiv derMonstranz mit zwei Engeln dienen. In der Monstranz wird bekannterweise die Ho-stie zur öffentlichen Anbetung aufgestellt, darin wird sie zu Fronleichnam und beieinigen anderen Festen in der Prozession getragen; sie versinnbildlicht das OpferChristi am Kreuz und seine wirkliche Gegenwart. Auf Bienenstöcke wird das Motivvermutlich von verschiedenen Malern von Andachtsbildchen übernommen wordensein. Laut einer belegten Bauerninterpretation bezieht sich die Monstranz auf denBienenstockstirnbrettchen aber auf ein wirkliches Ereignis. Ein Bienenhalter, dermit sein Bienen nur Pech hatte, brachte eine Hostie in sein Bienenhaus, was ihmviel Glück und Profit einbrachte. Auch seine Nachbarn erfuhren davon. Sie hol-ten den Pfarrer und fanden die Hostie im Bienenstock, um die die Bienen einenWachsmonstranz aufgebaut hatten. Und um diese Monstranz soll es sich bei derAbbildung auf den Bienenstockbrettchen handeln. Es ist nicht bekannt, ob die Ge-schichte ein wahres Element in sich birgt; zweifellos bildet der Glaube, daß der Ho-stie geheimnisvolle Kräfte innewohnen, und das Wissen von der kirchlichen Sym-bolik von Bienen und Wachs ihren Hintergrund. Es ist auch nicht bekannt, ob essich bei der bäuerlichen Interpretation des Motives eventuell um eine ferne Übertra-gung einer ähnlichen Geschichte, die aus Nordfrankreich aus dem 14. Jahrhun-dert bekannt ist, handeln könnte: dort wurde in jener Zeit eine Hostie in einenBienenstock gelegt, um die Bienen zu schützen. Die Bienen hätten darauf um die Ho-stie eine ganze Kapelle mit Fenstern, Gewölben, Glockenturm und Altar, auf densie die Hostie legten, aus Wachs erbaut. Etwas Ähnliches wird von der Szene be-richtet, bei der sich Frauen um eine Männerhose prügeln. Das Motiv geht minde-stens ins 15. Jahrhundert zurück und ist in ganz Europa verbreitet; es wird von ei-ner graphischen Vorlage auf die Bienenstöcke übertragen worden sein. Verschie-dene satirisch- symbolische Inhalte, die meist gegen das weibliche Geschlecht ge-