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Randmotiv wiederholen, das sich gleichmäßig nach oben entwickelt, währendder Mittelstreifen nur in dem Motiv oben, dem Hause, diese Richtung festhält,die Jagd aber sich im Zickzack quer auf den links unten in der Ecke erscheinendenGreifen zu entfaltet. Die Tiere sind alle im reinen Profil gegeben, die Reiterzeigen die Brust in Dreiviertelwendung, den Kopf in Vorderansicht, die Jägerzu Fuß treten in seitlichen Wendungen auf. Das flächenhafte Übereinander inein räumliches Hintereinander zu übertragen, fordert den Beschauer einmal dieZickzackwendung des Zuges, dann die quer durch das Mittellot zum Hauseemporführende Treppe heraus. Im allgemeinen aber überwiegen in der Stickereials Ganzes genommen derart rein dekorative Absichten, daß daneben die raum-anweisenden Elemente zurücktreten und im wesentlichen der einheitlich deko-rative Charakter der Form gewahrt bleibt. Die fast rein flächenhafte Wirkungwird besonders dadurch erzielt, daß jede Überschneidung vermieden, d. h. jedeGestalt für sich ohne räumliche Verbindung mit der nächsten auf die Bildflächeprojiziert erscheint. Die einzelnen Gestalten sind formal durch eine raffinierteTechnik auffällig gemacht und die klare Gliederung des gegenständlich wirk-samen Mittelstreifens von den ornamentalen Rändern, die nur merkwürdigbreit geraten sind, ist beachtenswert.
Die Stickerei zeigt in ihrer formalen Durchbildung eine solche Reife, daßhiefür niemals eine primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv schaffende Hand in Betracht kommen kann, viel-mehr auch von dieser Seite a priori der Schluß auf eine alte wertvolle Traditionnaheliegt. Ich halte die raumandeutenden Elemente wie die Schrägstellungdes Jagdzuges und die Treppe für Zusätze des Stickers, dem Anregungen zurRaumdarstellung gewiß nicht fern lagen, falls die Stickerei wirklich im 17. Jahr-
hundert entstand.
Beachtenswert ist die Größe der Frauen; sie überragen die beiden Bogen-schützen ,, im Vordergrunde“ um ein Beträchtliches. Wir hätten hier also einencharakteristischen Fall von sogenannter verkehrter Perspektive( Perspektiveinverse) und werden kaum auf die dafür vorgeschlagene Deutung eingehen³,als wollte der Sticker die Pistolenschützen als vom Standpunkt der beidenFrauen gesehen darstellen, so daß sie, weil am weitesten entfernt, am kleinstenerscheinen. Der Fall dürfte vielmehr gut für den Nachweis verwendet werdenkönnen, daß wir es mit einer für den Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven charakteristischen Neigungzu tun haben, die Figur, der er Bedeutung beilegt, größer zu bilden als andereund sich wie z. B. bei den Pistolenschützen in der Größe einfach nach demverfügbaren Raume zu richten.
Die Fläche erscheint gleichmäßig mit Figuren gefüllt, nur unten rechts inder Ecke des Jagdfeldes drängen sich die Gestalten, so daß der Eindruck entsteht,als hätte der Sticker von oben nach unten arbeitend, sich beeilt, in dieserEcke noch alles, was seine Phantasie ausfüllte oder seine Vorlage bot, unter-zubringen.
Bezüglich der Farben ist zu sagen, daß sie auffallend von dem gewöhn-lichen, grellen Akkord volkstümlicher Arbeiten abstechen und auch darin sichein von alters her geläuterter Geschmack ankündigt. Am meisten fällt das
1 Wulff, Kunstwiss. Beiträge, Schmarsow gewidmet. 1907. Vgl. jetzt de Grüneisen, Mélanges d'archéologieet d'histoire XXXI( 1911).