Druckschrift 
1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

klärt wurden. Vom Frühling bis zum Herbst 1732 betraten nicht wenigerals 13.669 Salzburger die Stadt oder deren Gebiet.

17. Wie lieblich sind deine Wohnungen." Unter militärischer Begleitung er-reichen die Exulanten über Stettin und Königsberg das Ziel ihrer Wande-rung, die Stadt Gumbinnen in der Provinz Litauen. Dieses fruchtbare Landhatte in den Jahren 1709-1711 durch Pest nahezu 100.000 Einwohner ver-loren. Hier fanden die Emigranten eine neue Heimat. Dieser letzte der Sticheträgt die Signatur des Stechers ,, Abraham Remshard".

Der Taler ist, wie eingangs erwähnt, in Augsburg entstanden. Abgesehendavon, daß hier das Silberschmiedehandwerk und die graphische Kunst, speziellder Kupferstich, im 18. Jahrhundert blühten, hat Augsburg auch in der Geschichteder protestantischen Bewegung eine Führerrolle gespielt. Von dieser Reichs-stadt ließ seit 1723 der aus Steiermark vertriebene Samuel Urlsperger seineweitreichende agitatorische Tätigkeit ausgehen und erwirkte im Jahre 1730 dieEntsendung eines verkleideten lutherischen Predigers nach Salzburg. Zudem warAugsburg zu jener Zeit der Hauptdruckort und Versandplatz protestantischerBücher und Flugschriften. Der Entschluß zur Vertreibung der Protestanten magheute vielen als ein schweres Unrecht, begangen an einem Teil der christlichenBevölkerung Salzburgs, erscheinen. Den Kirchenfürsten des Landes wäre lieberdie Erlassung derartiger Edikte erspart geblieben. Im allgemeinen sind sie beider Durchführung derselben einzelne Fälle ausgenommen ziemlich mildzu Werke gegangen, in einem Lande, das immer ein streng katholisches warund aus diesem Grunde auch als solches erhalten bleiben sollte. Der Pflicht,welche sich die Erzbischöfe Salzburgs mit der Verteidigung des katholischenGlaubens auferlegten, dankt das Land seinen alten Charakter und seine festim Volke eingewurzelten Traditionen vielleicht auch, daß es dadurch vongrößeren Übeln befreit geblieben ist.

Ein Hirtenbecher aus Sardinien.

Von Prof. Dr. M. HABERLANDT.

( Mit Tafel XV und 3 Textabbildungen.)

Die Volkskunst ist überall eine ältere Stufe der allgemeinen Kunstübung einerNation. In ihr sind oft Formen und Techniken von hoher Altertümlichkeit be-wahrt, über welche der höhere Kunstbetrieb sonst längst hinweggeschritten ist.Auch die italienische Volkskunst zeigt sich bei vielen Eigentümlichkeiten vondiesem Grundcharakter beherrscht, zumal, wenn wir die primäre Volkskunstder Hirten ins Auge fassen, die uns in Italien, namentlich im Süden, in Apulien,Sizilien und Sardinien begegnet.

Sardinien bildet noch mehr wie Sizilien eine deutliche ethnographische Sonder-provinz Italiens von zumeist recht altertümlichem Charakter und mit zahlreichenÜberlebeln aus frühen Perioden. Wie schon prähistorische Bauten, die be-kannten Nuraghi, daselbst auf alte Bevölkerungsschichten der spätesten Stein-oder frühesten Metallzeit hindeuten und auch sonst in der Vorgeschichte diesesGebietes neben gemeineuropäischen Formen solche von höchst eigentümlichem,