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an den Handknöcheln verengt und faltenreich, über der Brust offen, zum Teilmit feinem Klöppelspitzenbesatz an Hals, Brust und Ärmeln, ein Frauenhemdauch mit Klöppeleinsätzen die Ärmel entlang und um die Achseln, und miteinem Spitzenbesatz am unteren Hemdsaum. Dazu gehören die 2 Paar Leinen-strümpfe mit genähtem Zwickel; Leibwäsche aus der Zeit des DreißigjährigenKrieges, die sich wohl kaum anderswo in solcher Vollständigkeit und in solcherSchönheit erhalten hat. Besonders reich ist die Bettwäsche vertreten mit Leinen-decken, Leintüchern und Bettlaken für Doppelbetten, im ganzen 10 Stück. Hierist die Verzierung besonders reich, neben rot eingewebten Bordüren finden wirKlöppelspitzenbesätze, geklöppelte Einsätze, reiche Reticella- Spitzenbesätze,Quasten an den Ecken und Holbeinstickerei an den Seiten. Von den zweiTischtüchern aus Leinendamast weist das eine eine gehäkelte Spitzenbordüre,das andere eine Klöppelspitzenbordüre mit Fransen, rote Holbeinstickerei undeine rot gewebte Bordüre als Mittelteilung auf. Auch hier fällt, wenn wir dieSolidität der Arbeit und den erlesenen Geschmack der Verzierung betrachten,eine Vergleichung durchaus nicht zu Gunsten unserer Zeit aus.
Dies ist der Fund von Schwanenstadt, einer der merkwürdigsten Zufälle inder jüngsten Geschichte der Entdeckungen und Ausgrabungen, ein Depotfund,der sein besonderes Interesse dadurch erhält, daß er einer kulturgeschichtlichenEpoche zu gute kommt, aus welcher( aus naheliegenden Gründen) Depotfundein verschwindend geringer Anzahl auf uns gekommen sind. Wer den Fundaufmerksam Stück für Stück betrachtet, hat das Gefühl, als ob er ein paar farbigeund interessante Seiten aus Gustav Freytag„ Bildern aus deutscher Vergangen-heit" läse.
Der Alpacher Möbelstil.
Von Dr. KARL VON RADINGER, Innsbruck.
( Mit Tafel XXII- XXVII und 4 Textabbildungen.)
Von dem beliebten Sommerfrischorte Brixlegg gelangt man auf steilem, beischlechter Witterung fast ungangbarem Wege in das Alpachtal, das der gleich-namige tief eingeschnittene Wildbach durchbraust. Mit seinem Kranz vonBergen und den waldreichen Hängen zeigt es ausgesprochenen Hochtalcharakter.Die Gemeinde umfaßt 182 Häuser mit rund 1000 Einwohnern, dazu kommennoch die zu den vorgelagerten Dörfern Mehren und Reith gehörigen Siedlungendes Außentales. Viehzucht und Holzarbeit bilden die Haupteinnahmsquelle derBewohner, die als wohlhabend gelten. Der Bergbau am Schatz- und Tierbergwird schon seit Jahrhunderten nicht mehr betrieben¹.
1 Die Literatur über Alpach ist nicht bedeutend. Gute Schilderungen bei L. Steub: Drei Sommer in Tirol,2. Aufl. 1873 und H. Greinz: Von Innsbruck nach Kufstein 1902. Handschriftliche kirchenstatistische Notizen vonLettenbichler Ferd. Bibl. cod. 2085. Tracht Fr. Lentner, Z. f. ö. V. K. XI, Hochzeitsgebräuche A. Renk Innsbr.Nachrichten 1895 Nr. 73 Beilage. Der reiche Sagenschatz( wilde Fahrt, Perchtl, Riesen, Zwerge, Schatzsagen)bei J. v. Alpenburg: Mythen und Sagen Tirols 1857 und Zingerle: Sagen aus Tirol, 2. Aufl. Vieles über Sagen,Sitten und Gebräuche hat ein geborner Alpacher Peter Moser gesammelt und in weit zerstreuten Aufsätzen ver-öffentlicht. Hausbau: J. Deininger, Das Tiroler und Vorarlberger Bauernhaus, Bd. I.