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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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Die sich reimenden Stellen hier mit Sperrdruck herausgehoben- scheinenmir darzutun, daß Verse beabsichtigt sind. Es besteht kein Zweifel, daß auchdieses Bild in späterer Zeit renoviert und die Sprache der Inschrift verderbt wurde.Beide Votivtafeln zeigen einen für diesen volkskundlichen Typ nicht ge-wöhnlichen Reichtum der Ausstattung. So große Dimensionen und so solideArbeit kommen an Votiven des 17. und vor allem des 18. und 19. Jahrhunderts,deren wir ja zahllose zum Studium heranziehen können, für gewöhnlich nichtmehr vor. Eine dem Folkloristen auch bei anderen Typen ganz geläufige Er-scheinung. Bis zum Ausgange des Mittelalters waren eben alle diese merk-würdigen Dinge, die wir heute zum Gegenstand der Volksforschung machenund gewissermaßen wiederentdecken, Gemeingut der ganzen Nation; erst derNeuzeit war es vorbehalten, den kulturellen Gegensatz der Stände, dessen Wur-zeln wir allerdings auch schon in früherer Zeit suchen müssen, zu einer Kluftaufzureißen, die wohl nie mehr überbrückt werden kann und schon vielfach zugegenseitiger Verständnislosigkeit sich entwickelt hat. Die Votivtafel ist heutenur mehr der konservativen bäuerlichen Schicht eigen. Ehemals wurde sie aber,wie man aus den beiden obigen Beispielen sieht, auch von Rittern und Grafenals würdiges Opfer empfunden. Da in der Jetztzeit höhere Kreise diese altenschönen Formen verschmähen, folgt leider auch schon in Städten die niedereBevölkerung der Geschmack- und Stillosigkeit der oberen Zehntausend", undwie lange wird es wohl noch dauern, bis man im letzten Alpendorf die letzteVotivtafel nach alter Sitte malt?

Ein Schraubentaler der Salzburger Exulanten.

Von ALFRED WALCHER RITTER v. MOLTHEIN, Wien.

( Mit Tafel XIII- XIV.)

Der Direktion des Museums für österreichische Volkskunde gelang die Er-werbung eines tadellosen Exemplars der etwa 1732 entstandenen SalzburgerEmigranten- Schraubentaler. Sie wurden in Augsburg hergestellt und bestehenaus einer Silberkapsel in Talergröße und 17 runden kolorierten Kupferstichen,welche, durch schmale Papierstreifen miteinander verbunden, den Inhalt derKapsel bilden.

Beide Hälften des Talers sind ziselierte Silbergüsse mit Darstellungen ausder Geschichte der Protestantenvertreibung in Salzburg. Die Schauseite zeigteine Gruppe wandernder Emigranten, darüber in einem Schriftband die Worte:,, Gehe aus deinem Vatterland( zu ergänzen mit:, und von deiner Freundschaftund aus deines Vaters Hause, in ein Land, das ich Dir zeigen will". I. Moses12. 1.)( Abbildung auf Tafel XIII); die Rückseite eine Emigrantenfamilie vordem König von Preußen, Friedrich Wilhelm I.( 17131740) und darüber: ,, NachPreussen hat euch Gott gesandt"( Abbildung auf Tafel XIII). Der Medailleurist unbekannt, vermutlich ist es ein Augsburger Meister. Auf den Innenseitender beiden Talerhälften sind kartographische Stiche des Erzstiftes Salzburg unddes Herzogtums Litauen befestigt. Letzterer trägt die Bezeichnung: Abraham