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Der Fund von Schwanenstadt.
Von Museumsdirektor Dr. HERMANN UBELL, Linz.
( Mit Tafel XIX- XXI.)
Münzfunde sind keine Seltenheit, aber die Kombination eines Münzfundesmit anderen gleichzeitigen Gegenständen kommt gewiß nicht alle Tage vor,und sie bietet der genaueren Datierbarkeit wegen ein um so höheres
Interesse, je charakteristischer und mannigfaltiger die Beigaben sind. Wennnun aber gar fast der ganze bewegliche Hausrat einer kleinen bürgerlichenWirtschaft aus der Mitte des 17. Jahrhunderts den Fund ausmacht, so kannman wohl von einem Unikum reden, und so erklärt sich der lebhafte Anteil,der in wissenschaftlichen Kreisen seit dem Auffindungstage dem sogenannten,, Schwanenstädter Funde" entgegengebracht worden ist. Da eine ganze Reihevon Objekten dieses Fundes auch einen volkskundlichen Wert besitzt, brauchtdie Darstellung, die wir in diesen Blättern von ihm geben wollen, wohl kaumeine besondere Rechtfertigung.
Am 15. Juni des Jahres 1907 stießen die Arbeiter des Kaufmannes AntonHager in der kleinen oberösterreichischen Stadt Schwanenstadt bei der Adap-tierung einer alten Rumpelkammer( im Hause Nr. 8) zu einem Badezimmerauf eine Holzverschalung, die im ersten Moment für eine vermauerte Bretter-wand gehalten wurde. Alsbald stellte sich aber heraus, daß man es mit demDeckel einer hölzernen Kiste zu tun hatte, die in Leinensäcke eingewickelt,auf einer Mauerbank stand. Als der herbeigeeilte Hausbesitzer die Truhe öffnete,blinkte ihm zuerst der weiße Glanz schöner, alter Krüge aus Edelzinn entgegen.Dann kamen mit Silber- und Goldmünzen gefüllte Ledersäckchen, in einerkleineren Truhe verpackte Goldschmiedearbeiten, eine große Menge von Bett-,Tisch- und Leibwäsche, irdenes Geschirr und anderer alter Hausrat zum Vorschein.Glücklicherweise waren schon am ersten Tage, von der politischen Behördeverständigt, Sachverständige zur Stelle, die den glücklichen Finder darüberbelehrten, daß in seinem eigensten Interesse gelegen sei, den merkwürdigenFund vor Zersplitterung zu bewahren. Der Geldwert des Fundes wurde, wiees zu gehen pflegt, zunächst maßlos überschätzt, so daß es dem oberöster-reichischen Landesmuseum fürs erste nur gelingen konnte, sich das Vorkaufs-recht dafür zu sichern. Der Kaufmann Hager stellte den Fund zunächst inseiner Auslage, dann in seiner Privatwohnung auf, und von allerwärts strömtenNeugierige herbei, um ihn zu besichtigen. Um möglichst viel aus der Sacheherauszuschlagen, griff Hager zu originellen Maßnahmen, er veröffentlichtez. B. spaltenlange Inserate in amerikanischen und englischen Blättern, dieglücklicherweise nicht so abgefaßt waren, daß sie seriöse Käufer hätten an-locken können. Monate vergingen, das Interesse flaute ab, und die erhofftenriesigen Angebote blieben aus, so daß das Museum Francisco Carolinum inLinz schließlich nur noch die Konkurrenz mit einem großen reichsdeutschenMuseum und einem Münchener Antiquitätenhändler zu bestehen hatte, aus deres siegreich hervorging. So blieb der für das Land so außerordentlich wichtigeFund glücklicherweise dem Lande erhalten.
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