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Quellen für diese Werke herauszufinden muß ich anderen überlassen. Zweifel-los sind solche vorhanden; aber ebenso zweifellos spricht aus diesen Werkeneigene Kraft und selbständiges, aus tiefem und frommem Herzen gespeistesKönnen des ungelernten Mannes, für dessen Technik die beiden angefangenenKorpusse der Schächer mit ihrer charakteristischen Schnittart von Interessesind; sie haben aus diesem Grunde vorstehende Abbildung erfahren( Text-bilder 7 und 8).
Gleichzeitig mit Kieninger haben in Hallstatt und Goisern zwei andereVolkskünstler Arbeiten in Holz geschnitzt, welche nach dem Urteil von Sach-verständigen hervorragende Leistungen bäuerlicher Volkskunst darstellten. Essind dies Ignaz Hager in Hallstatt seine Schaffenszeit liegt um 1860-70und Ernst Heisel in Ebensee; letzterer ursprünglich ein armer Holzknecht,später Jäger. Seine Tierstücke und Jagdszenen bzw.-gruppen in Ebenseeund Umgebung in Privatbesitz verstreut gehören nach Prof. Gustav Goebelwohl zu den besten Erzeugnissen alpenländischer Volkskunst. Aber auch sonstist diese Gegend, ähnlich wie die unfern gelegene Viechtau zwischen Gmundenund Altmünster, offenbar seit langer Zeit sehr fruchtbar in der Hervorbringungurwüchsiger Schnitzertalente gewesen, was ja auch für die seinerzeitige Gründungder k. k. Fachschule für Schnitzerei in Hallstatt maßgebend gewesen ist. Dasoriginellste und überragendste künstlerische Talent der Gegend ist aber sicherunser Johann Georg Kieninger gewesen, der mit seinen Arbeiten für dieSchnitzproduktion dieses Teils des Salzkammergutes vorbildlich geworden ist.Ein echter Repräsentant volkstümlicher Begabung, hat er auch das typischeSchicksal einer solchen durchgekämpft; und es ist nur zu wünschen, daß, wennwieder eine so reiche und reine Begabung in unserem Alpenvolke da oder dortauftaucht, die neue Zeit wachsamer ihr Wirken wahrnehmen und fördern werde.Unserem Johann Kieninger ist seine Zeit bis auf einen kargen Bissen Brotleider alles schuldig geblieben.
Ein Werk der Volkskunst im Lichteder Kunstforschung.
Von Hofrat Prof. Dr. JOSEF STRZYGOWSKI, Wien.
( Mit Tafel VI und 5 Textabbildungen.)
Das anschauliche, in seinem besten Teile künstlerisch wirksame Material,mit dem die Volkskunde arbeitet, fordert zu einer prinzipiellen Auseinander-setzung über das Verhältnis von Volkskunde und Kunstforschung heraus. Dienachfolgenden Zeilen möchten eine solche Erörterung im Anschluß an einpraktisches Beispiel durchführen.
Die Kunstforschung greift weit über das heute akademisch gern als„ Kunst-geschichte“ oder„, Kunstwissenschaft“ genannte Fach hinaus. Sie umfaßt zeitlichund örtlich das Ganze der vom Menschengeschlechte auf dem Gebiete derbildenden Kunst hervorgebrachten Erscheinungen und zieht jede Gesellschafts-stufe in den Kreis ihrer Beobachtungen. Nicht die Erforschung der europäischenKunstgeschichte, sei es in ihrer antiken oder neueren Entwicklung darf die