Druckschrift 
1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

43

Zwei alte Votivbilder in Riffian bei Meran.

Von Dr. OSWALD MENGHIN, Wien.

( Mit einer Textabbildung.)

In der Marienwallfahrtskirche Riffian' bei Meran hängen unter den Votivenzwei Tafeln, die durch ihr hohes Alter besonderes Interesse verdienen. Bekanntlichgelingt es bei volkskundlichen Typen dieser Art( Marterln, Totenbretter, Arme-Seelen- Tafeln u. dgl.) nur äußerst selten, ältere Exemplare nachzuweisen, da siezumeist aus vergänglichem Material hergestellt, im Freien kaum Jahrzehnte,in der Kirche untergebracht keinesfalls Jahrhunderte zu überdauern vermögen,auch wenn keine zerstörende Hand eingreift, was allerdings leider auch heute

Why Soltan in schlacht gehadSharath grollen schnöm Lid

Salay on Vudiororols SaldDoch half in darin bronhir birbiff

Fig. 25. Votivbild aus Riffian 1449.

noch nicht zu den Sel-tenheiten gehört. Fürdas Studium der Ge-nesis volkskundlicherTypen und diesesist ja gewiß die vor-nehmste Aufgabe un-serer Wissenschaft

zählen solche ältereVertreter zu den wich-tigsten Quellen und esist unbedingt notwen-dig, daß das Wenige,was sich uns noch er-halten hat, geschütztund der Öffentlichkeitzugänglich

gemacht

wird. Die erste der

beiden Tafeln( Abbildung 25) mißt ohne Rahmen 55 cm in die Länge, 36 cm indie Breite und stammt noch aus dem 15. Jahrhundert.

Die Darstellung zeigt im Vordergrunde die Etsch; im Wasser und am m Uferstehen Kriegsleute; im Hintergrunde links erhebt sich eine Anhöhe, hinter derenVerwallung Kriegsvolk in Masse hinunterblickt; rechts sieht man fern dasDorf Calliano und darüber das Bild der Gnadenmutter von Riffian. Die Mittedes Gemäldes wird von der Hauptszene eingenommen; ein eisenbewehrterMann ist zu Boden gestürzt, hinter ihm kniet eine ähnliche Gestalt und scheintdem Liegenden mit einer Hellebarde den Kopf abschlagen zu wollen. DasVotivbild ist augenscheinlich für die Rettung aus dieser Todesgefahr gestiftet;das Wappen, das unter dem Gestürzten angebracht ist, kann ich wenigstensnur darauf ausdeuten, daß es den Donator kennzeichnen soll. Die beiden Fi-guren dieser Hauptszene sind doppelt so groß als die übrigen. Das zeigt wohlan, daß wir es hier mit einem ganz volksmäßigen Maler zu tun haben. Leiderist das Bild, wie schon die dem Ende des 18. Jahrhunderts angehörige Schrift

1 Vergl. Zeitschrift für österreichische Volkskunde, 1912, S. 46.