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1 (1914) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 1.
Entstehung
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breites Dach mit Vertikalaufsatz, darauf sitzen acht Tauben. Darunter stehen mitin die Seite gestemmten Armen zwei Frauen in Vorderansicht in breiten Silber-gewändern da. Zu ihren Seiten eine Art hoher Postamente mit schräger Silber-ranke und einem Vogel. Die Ranken neben dem Hause entwickeln sich wiedie großen Ranken neben den Kandelabern mit gleichen Füllmotiven ohneVögel, auf der Grundlinie sitzen zwei Hasen. Zu dem Hause führt in der Mitte,schräg gelegt, eine Treppe empor; rechts daneben ein großer Vogel, blau- undsilbergestreift, mit weißem Kontur und, scheint es, einer Krone auf dem Kopfe.Suche ich auf Grund dieser eingehenden Beschreibung die Darstellung zudeuten, so könnte im besten Falle auf eine Legende geraten werden, in derunter der Ägide zweier Frauen in einem Wunderwalde auf Fabeltiere Jagdgemacht wird. Vielleicht wäre sogar eine literarische Unterlage von dieserFärbung zu finden. Ich verzichte darauf, ihr nachzugehen, weil die weitereUntersuchung zeigen wird, daß dem Ganzen schwerlich ein einheitlicher Gedankezu grunde liegt, es sich vielmehr um eine Zusammenstellung dekorativer Motivehandelt, von denen nur die Jagd selbst ursprünglich gegenständlichen Werthatte und erst später durch Zuspitzung auf den Greifen mit den ,, Wunderbäumenund durch Einfügung der Treppe und wohl auch der beiden Frauen zu einerunbestimmten Bedeutung als Ganzes gelangte.

3. Gestalt. Die drei Motive, die hier nebeneinander erscheinen: Haus, Jagdund Baum können keinesfalls als unmittelbar nach der Natur gearbeitet gelten.Wollte man schon einen direkten Zusammenhang der Gestalten mit demLeben annehmen, so wäre nur die Möglichkeit vorhanden, daß es sich umprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Erzeugnisse einer mit Vorstellungen von Jagd und Wald angefülltenPhantasie handelt. Aber auch da frägt es sich, wie kommt eine Parforcejagd,wobei die Reiter den Jagdfalken auf der Hand halten und der Greif beschossenwird, wie kommt der Wunderbaum in seiner Struktur und mit den Pfauen,wie diese Art Haus mit den Bäumen zur Seite in den Vorstellungskreis derPerson, die dieses Erzeugnis der Volkskunst ausgeführt hat? Direktor Dr. M.Haberlandt teilt mir mit Bezug auf einzelne dieser Motive mit: Der Torbau,unter dem die Frauen stehen, findet seine Analogien in den überdachten Tor-bogen mancher Huzulengehöfte, ferner in den Torbogen der Szekler in Sieben-bürgen, deren Stützpfähle Blumenornamentik tragen¹. Die Verbindung vonHäusern, Fassaden u. dgl. als Ziermotiv neben Pflanzenmustern kommt auchauf großrussischen Stickereien vor², ferner auf Bogumilensteinen. Die zu denFiguren emporführende Treppe kann vorderhand nicht gedeutet werden, dervertikale Streifen auf dem Rocke dieser Figuren ist vielleicht das Untergewand,das zwischen den zwei Hüftenschürzen zum Vorschein kommt. Die Hahnen-figuren oben anscheinend naturalistisch umgestaltet; das sonstige Getier kehrtauch auf großrussischen Stickereien fast identisch wieder." Da haben wir alsoeinige in das Problem der Gestalt fallende volkskundliche Aufschlüsse. DieKunstforschung darf dabei nicht stehen bleiben. Sie zeigt mit dem System dieLücken auf und stellt die Fragen. Im Rahmen des Gestaltproblems wäre es

1 Vgl. Peasant art in Austria. Spezialheft des Studio 1911, Nr. 695 f.

Dache.

Vgl. Peasant art in Russia, Spezialheft des Studio 1912, Nr. 49 f. Ebenda Nr. 52; auch die Vögel auf dem