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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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Wilster- oder Krempermarsch Mangelbretter gegeben, deren Handgriff inForm eines Meerweibchens geschnitzt waren, sicherlich Minnegaben 219. InNordfriesland gab es Löffelbretter des 18. Jahrhunderts mit Meerweibchenund Seepferdchen als figuralen Schmuck 220, in Keitum auf Sylt sogarHuthaken mit geschnitzten und farbig gefaßten Seejungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Seejungfrauen 221. Dasgrenzt bereits an den heraldischen Bereich, in dem die Meeresgeschöpfe seitlangem eine beachtliche Rolle spielten.

Aber die volkskünstlerischen Ausformungen waren nie an das Meerund seine Küsten gebunden. Wie unsere Lebzeltenmodel weitab von derSee sich doch mit Meerjungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Meerjungfrauen schmückten, so konnten derartige Ge-schöpfe in Niederschlesien auf gegossenen Miederschließen auftauchen 222,in Oberbarnim in der Mark Brandenburg als kupferne Griffe von Ofen-türen 223 und im Burgenland, um nur einfach einige Beispiele herauszu-greifen, an Türbeschlägen aus Eisen 224. Die graphischen Vorbilder, Holz-schnitte des 16. und Kupferstiche des 17. und 18. Jahrhunderts, standenden Handwerkern der verschiedensten Sparten zur Verfügung, wodurchsich die Motivgestaltungen auch weit über die Bereiche des zünftigen Hand-werks hinaus verbreiten konnten, obwohl dieses sicherlich in ganz besonde-rem Ausmaß an dieser Verbreitung mitbeteiligt war.

In diesen ganzen reizvollen Motivbereich ist von seiten der älterenVolkskunstforschung manches an zu geheimnisvoller Deutung eingebrachtworden 225. Die Dinge verhalten sich gewiß nicht derart, wie man manch-mal früher, so ,, zwischen Mythologie und Zoologie" es haben wollte. Aberdie große Vorliebe für die Motive mit den Mischgeschöpfen, diesen, Meer-wundern läßt sich doch auch heute noch durchaus bestätigen.

10. FISCHER IN DER VOLKSKUNST

Es wäre völlig berechtigt zu sagen, daß der Fischer kein Motiv derVolkskunst ist. Fischerdarstellungen in der volkstümlichen Graphik hat esselbstverständlich mehrfach gegeben. Wenn für die einzelnen Länder etwaKarten gestochen wurden, so wies der Stecher gern auf die Naturschätzedes betreffenden Landes hin und zeigte etwa Bauern beim Kornschnitt,

219 Volkskunst aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. KatalogKöln 1969, Abb. 29, Nr. 901.

4.

220 Hans Karlinger, Deutsche Volkskunst, Abb. Taf. I.

221 Otto Schwindrazheim, wie oben Anm. 155, Abb. 34 auf S. 76.222 Irma Czarnecka, Folk Art in Poland. Warschau 1957, Abb. S. 180/

223 Werner

Lindner, Mark Brandenburg(= Deutsche Volkskunst,

Bd. II). München 1924, Abb. 122/2.

224 Karl von Spieß, Marksteine der Volkskunst, Bd. II(= Jahrbuchfür historische Volkskunde, Bd. VIII/ IX). Berlin 1942, Abb. 155 und 156 aufTaf. 57.

225 Spieß, wie oben, S. 143 ff.

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