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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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So gibt es ein beschnitztes Faß mit dem in Fischform gestalteten Faßriegelvon Peter Mayer aus Ballbronn im Elsaß aus der Mitte des 18. Jahrhun-derts 175. Im Elsaß haben sich nicht wenige weitere gute Beispiele von der-artigen fisch- oder auch delphinförmigen Faßriegeln erhalten 176. Es habenbestimmte Werkstätten dort anscheinend die Riegel ganz selbstverständlichin volksbarocker Art fischförmig gestaltet, ohne daß eine Begründung dafürnamhaft gemacht worden wäre. Auch überm Rhein in Baden ist es offenbarso gewesen, in Karlsruhe werden mehrere derartige in Fischform geschnitzteFaẞriegel des 18. und 19. Jahrhunderts verwahrt 177. Im Augustinermuseumin Freiburg ist ein solcher Faẞriegel erhalten, der einen einmal um sichselbst gewundenen Fisch darstellt 178. Sonst werden eher Meerweibchen ineiner solchen verschlungenen Form gezeigt. In der Pfalz gibt es weitereStücke dieser Gruppe, und es handelt sich dabei nicht immer um Fische,wie beispielsweise bei einem Faßboden von 1831 im Museum von Speyer,sondern auch um Faßriegel in Form von Delphinen oder auch von Meer-weibchen 179. Die volksbarocke Tradition dieser Gestaltung hat sich alsoam Oberrhein und in seinem Umland lang erhalten, manchmal, beispiels-weise in Reichweier im Elsaß, scheint sie noch ins 20. Jahrhundert zureichen 160. Von einer Sinngebung ist aber da wie dort nichts bekannt, auchnicht von einer eventuell denkbaren konfessionellen. Es sind nämlich an-scheinend nicht Fässer für den Meßwein, die mit solchen Faẞriegeln inFischform geschmückt wurden, obwohl das ursprünglich ja durchaus hättesein können. Die sammlerische Erfassung solcher Stücke der alten Volks-kunst hat sich leider um die wissenswerten Begleitumstände nicht so ge-kümmert, wie es einstmals wohl noch möglich und jedenfalls wünschenswertgewesen wäre.

8. WALE UND DELPHINE

An die großen Säugetiere des Meeres und ihre Stellung in der Volks-kunst hier im Binnenland heranzugehen erscheint wohl zunächst etwassonderlich 181. Aber die Motive haben sich auch bei uns gefunden, aus denverschiedensten Traditionen heraus, und wirken in irgendwelchen Formenimmer noch nach. So ist es doch möglich, von der Wiener Oper nur wenige

175 Georges Klein, Arts et traditions populaires d'Alsace. Kolmar( 1974),p. 86 oben.

170 Ernst Polaczek, wie oben Anm. 64, Abb. 147/3.

177 Helmut Th. Bossert, Volkskunst in Europa, Taf. XXXI/ 11, 12, 14.178 Hans Karlinger, Deutsche Volkskunst. Abb. S. 160/ b.

179 Theodor Zink, Die Pfalz(= Deutsche Volkskunst, Bd. XII). München1932, Abb. 102-103.

180 Desvallees und Riviere, wie oben Anm. 2, Abb. S. 167.

181 Rudolf Schenda, Walfisch- Lore und Walfisch- Literatur( in: IV. In-ternational Congress for Folk- Narrative Research in Athens. Lectures and Reports.Ed. Georgios A. Megas. Athens 1965= Laographia Bd. XXII: 1965, S. 431-448).

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