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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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2. HEILIGE FISCHERPATRONE

Auf dem Bahrtuchschild der Regensburger Fischer von 1630 ist obender hl. Petrus mit Christus im Schiff auf dem See Genezareth dargestellt,darunter kommen erst Fisch und Krebs 47. Damit ist der hl. Petrus deutlichals eigentlicher Patron der Fischer dargetan, der er auch seit dem Früh-mittelalter überall gewesen ist 48. Die dargestellte Szene bezieht sich aufdie berühmteste Episode aus seinem Berufsleben als Fischer, nämlich seinErlebnis im Sturm auf dem See Genezareth( Luk. 5, 1- 11). Aus dieserEpisode mit dem stark sinnbildlichen Gehalt sind in der christlichen Kunstbedeutende Werke herausentwickelt worden, nicht zuletzt die ,, Fischer-kanzeln", wie sie in Bayern und Österreich in der Barockzeit für mancheKirchen geschaffen wurden. Besonders berühmt ist die Fischerkanzel von1753 in der Pfarrkirche von Traunkirchen in Oberösterreich, die für diesenFischerort besonders passend von den Jesuiten zum Andenken an die Neu-gründung dieser ihrer Kirche( Neubau 1631-1652) angeschafft wurde 49.Die im 16. und frühen 17. Jahrhundert protestantisch gewesenen Traunsee-Fischer mochten dadurch allsonntäglich an ihre Wiederbekehrung erinnertwerden.

Aber der Heilige galt auch ohne diese bildliche Nacherzählung derEpisode im Lukas- Evangelium als der Herr der Fische, zumal an jenenSeen und sonstigen Gewässern, die sich im geistlichen Besitz befanden, unddementsprechend auch als Zunftpatron ihrer Fischer. Das ist besondersmarkant in Millstatt in Kärnten ausgeprägt, wo sich an der nordwestlichenEcke der Siebenhirterkapelle der Stiftskirche ein romanischer Pfeiler des12. Jahrhunderts eingemauert zeigt 50. An ihm findet sich eine eindrucks-volle Plastik, nämlich ein bärtiger Mann in langem, wellenartig fließendemGewand dargestellt, dessen Hand mit einem großen Schlüssel auf der ande-ren Seite des Pfeilers erscheint. Über der Hand des Heiligen zeigt sich einAdler, unter dem Schlüssel aber sind zwei nach aufwärts gerichtete Fischezu sehen. Die romanische Plastik, einstmals wohl an einem Tor des Stiftesangebracht, bekundete gewiß die Fischgerechtigkeit über den MillstätterSee, in diesem Sinn zweifellos auch ein Rechtswahrzeichen.

Der Heilige, der in Millstatt so gebieterisch die Fischereirechte be-kundete, ist wohl auch in vielen anderen ihm geweihten Stiften undKlöstern in diesem Sinn verehrt worden. Das gilt sicherlich für das StiftSt. Peter in Salzburg, aber wohl auch für Melk in Niederösterreich. FürBayern ist besonders auf Vilshofen hinzuweisen, wo die Fischer bis heute

47 Gröber, Alte deutsche Zunftherrlichkeit, Abb. 151.

48 Matthias Jungwirth, Die Fischerei in Niederösterreich(= Wissen-schaftliche Schriftenreihe Niederösterreich, Bd. 6). St. Pölten 1975, Abb. 1.

40 Reinhard Hootz, Kunstdenkmäler in Österreich. Ein Bildhandbuch.Bd. II, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland. München 1967, Abb. 333.50 Karl Ginhart, Millstatt am See. 2. Aufl. Klagenfurt 1960, S. 45.

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