3. EINZELFISCHE
Auf den verschiedensten Objekten der Volkskunst ist ein Fisch darge-stellt zu sehen, manche sind direkt in der Form eines Fisches gestaltet. Wennman die Belegreihen überschaut, dann können es offenbar ganz verschiedeneAnlässe gewesen sein, die dazu geführt haben. Man wird sich dabei zu-nächst weniger mit Vorformen und eventuell glaubensmäßig bestimmtenStücken aus ur- und frühgeschichtlichen Zeiten befassen, als die Gesamtheitder Stücke aus Keramik, aus Holz, aus Kupfer innerhalb ihrer Gruppierun-gen zu betrachten, und auf ihre offensichtlichere oder auch geheimereSinngebung hin zu befragen.
Man kann wie in vielen anderen Fällen so auch in diesem durch dieStraßen der alten Städte und Märkte gehen, und nach Hauszeichen mit demFisch Ausschau halten. Wenn man etwa in Wien durch die vollständigaltstädtisch erhaltene Annagasse im I. Bezirk geht, dann wird man aufNr. 14 das Haus„ Zum blauen Karpfen" antreffen 56. Es ist ein Haus ausdem frühen 19. Jahrhundert, und das Hauszeichen, der Fisch in der reichenornamentalen Umrahmung zwischen den Fenstern des ersten Stockwerkesstellt ein durchaus eindrucksvolles Hauszeichen im besten Sinn dar. Freilichwird man an der Hausfront in der schmalen Gasse nicht nur seinetwegen,sondern auch wegen des schönen Amoretten- Reliefbandes hinaufschauen,das Josef Klieber einstmals geschaffen hat. Es sind meist Gasthäuser, dieden Fisch als Zeichen ihrer Gastlichkeit genommen haben. In Appenzell inder Schweiz etwa ist noch das Wirtshausschild mit dem geschnitzten undbemalten Hecht von 1784 zu sehen 57. Aber auch berufsgebundene Fischer-gebäude können selbstverständlich den Fisch als Hauszeichen führen. Dasgilt beispielsweise für die Fischerhütte der ,, Fischer in der Steinwänd" beiHartkirchen in Oberösterreich, wo sich auf den Staubläden einerseits derFisch, mit Jahreszahl 1857, andererseits der Krebs groß und deutlich auf-gemalt finden 58.
Was für manche Häuser gilt, hat dagegen bei Möbeln und Gerätenkeine Bedeutung. Wenn auf Betten oder Kesselhaken, auf Schlitten oderSchmuckstücken einzelne Fische vorkommen, kennzeichnen sie wohl in denseltensten Fällen Fischfang oder Fischhandel, sondern gehören der Weltder geschlechtlichen Anspielungen an. Ein Fisch, innen auf einem oberöster-reichischen Himmelbett aufgemalt, soll sicherlich auf die Frau als„, Fischim Bett hinweisen 58. In älterer Zeit konnten es fischgestaltige Fabelwesen
58 Emmerich Siegris, Alte Wiener Hauszeichen und Ladenschilder.Wien 1924, S. 74 und Abb. Taf. 47.
57 Daniel Baud- Bovy, Peasant art in Switzerland. London 1924,Abb. 132.
58 Max Kislinger, Alte bäuerliche Kunst. Linz 1963, S. 67 Abb.59 Kislinger, ebd., S. 83 Abb.
2 Fische
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