hundert Branntweinflaschen in Form eines Kirchengesangsbuches, mit demreliefierten Fisch auf dem einen und dem Kelch auf dem anderen Deckel 103.Da es sich um eine Gegend reformierten Bekenntnisses handelt, war dawohl christliche, eucharistische Bedeutsamkeit gegeben, vielleicht aus einerbestimmten lokalen Tradition heraus. Auch solche Möglichkeiten müssenschließlich immer wieder angenommen werden.
7. FISCHBESTECKE UND FASSRIEGEL
Von den Bestecken, also vor allem von Löffeln und Gabeln, abermitunter auch von Messern und Streichern, können so manche mit derFischgestalt etwas zu tun haben. Meist handelt es sich darum, daß der Griffin Fischgestalt geformt, am häufigsten geschnitzt erscheint. Bei Klapp-messern kann es das Heft sein, das dann wie verwandte Geräte den Ein-druck eines bissigen Raubfisches machen kann 164. Die meisten dieser Griff-Fische machen freilich eher einen friedlichen Eindruck, und das hat seineGründe.
Die frühesten Stücke sind Löffel, die noch die mittelalterliche rundeLaffe aufweisen. Ein derartiges kleines Stück aus dem Pustertal zeigt denkurzen Griff als kleinen Fisch gestaltet, seine Schuppen sind mit leichterWachseinlage in Rot und Schwarz angedeutet 165. Das ist also wohl einLöffel des 17. Jahrhunderts, und man wird seine Herstellung schon einerlokalen Hausindustrie zuweisen. Fern von Tirol hat sich ein Gegenstück ge-funden, nämlich in Novi Afron am Schwarzen Meer, und zwar auch nochmit der runden Laffe 166. Das mag sich von Wanderhändlern herleiten, diegerade das hausgewerblich erzeugte Besteck aus den Alpenländern durchganz Europa hin vertrieben haben. Fragt man diese Löffel nach ihrerFunktion, so wird man am ehesten auf Minnegaben, auf Verlobungs- undHochzeitsgeschenke hingewiesen.„, Fisch" als Bezeichnung für die Liebste,auch für den Liebsten, ist in der Sprache der Erotik nicht selten. Manchmalspricht so ein Tischgerät sogar direkt davon. So steht auf der Klinge eineszierlichen Nürnberger Messers in der Petermandlschen Besteck- Sammlungin Steyr:
183 Edit Fel,
Amor vincit omnia. 1750
Die Liebe ist zum Mund gewandt,Es ist ein Fisch, virgo genannt,Wer den recht zu fangen denkt,
Deẞ Angel muß sein ungekrennkt 167.
Thomas Hofer, Klara K.- Csillery, Ungarische
Bauernkunst. Budapest 1958, Abb. 57( farbig).
184 OMV 29, 354; Werke der Volkskunst, Bd. III, Wien 1917, Taf. V/ 1.
165 OMV 32.103.
166 Karl von Spieß, Bauernkunst, Abb. 23/4 auf S. 53. Im Text paralle-lisiert mit Fischgrifflöffeln aus der Bukowina, nach Michael Haberlandt,Österreichische Volkskunst, Taf. 104/5, 8.
107 Ferdinand Krakowitzer, Inschriften und Aufschriften im Lande obder Enns. Linz 1901, S. 13.
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