und Traubenmotive weisen in den religiösen Bereich, dem auch eine kleineHeiligengeisttaube angehört. So waren solche Modelstäbe eben vielfältigverwendbar, die Modelschnitzer hatten für die verschiedensten Feste vor-gesorgt.
Das waren bei aller Vielfalt aber doch Gruppen von Motiven, die sichdeutlich funktionell beziehen lassen. Wenn man von hier aus einen Blick indie sonst so vielfach benachbarte bessere Keramik, in die Majolika hinüber-wirft, wird man dagegen nur wenige Stücke finden, die sich brauchmäßigbeziehen lassen. In der älteren italienischen Majolika zeigen Bodenfliesenmanchmal einen Einzelfisch, aber offenbar im Sinn der Emblematik, alsoetwa von einer Hand gefangen, mit einer Sanduhr daneben, so daß einmoralisierender Sinn gegeben erscheint, und das um 1511 in Faenza 9.Später gibt es im Mittelmeerbereich und darüber hinaus mehrfach Krügeund Teller mit einzelnen Fischen, wobei die deutlich gekennzeichnetenMeeresfische wohl darauf hinweisen, daß eben wirklich Fischgerichte damitserviert wurden 93. Das könnte ja auch bei unserem Majolikateller von1775 der Fall sein, dessen blauer Karpfen eben darauf hindeuten würde 94.Aber es kann sich hier wie in anderen Fällen auch anders verhalten, zu-mindest kann gemeint sein, daß der Teller für das Fischgericht als Fasten-speise bestimmt war. Das gilt vermutlich hier ebenso wie andernorts,beispielsweise bei den Tellern aus der Ukraine mit dem Fischmotiv 95. VomAuftragen der Fische im Geschirr ist ja wenig bekannt, aber eine Fisch-terrine aus grauem salzglasierten Steinzeug des Westerwaldes, wohl noch18. Jahrhundert, weist immerhin darauf hin, daß es auch das gegebenhat 96. Auf der Terrine ist auf dem Deckel ein ganzer Fisch plastisch ge-bildet und dient als Griff des Deckels. Davon ist vielleicht nur zu weniggesammelt, um den weiteren Bereich solcher Formen und ihrer Herkunftabstecken zu können.
4. ZWEI FISCHE
Wenn man vom Wiener Rathaus her zum Österreichischen Museumfür Volkskunde in die Laudongasse hinaufgeht, kann man auch durch dieSchlösselgasse gehen, eine jener Wiener Vorstadtgassen, in denen nebenein-ander Häuser aus Empire und Biedermeier stehen. Und gleich SchlösselgasseNr. 1 ist das„ Kleine Schlössel", das 1834 an der Stelle des viel älteren
92 Gerhard Kaufmann, Bemalte Wandfliesen. München 1973, Abb. 16oben.93 Fernando de Castro de Lima, wie oben Anm. 89, Bd. II, S. 23194 OMV 36.032.
Abb.
95 Helmut Th. Bossert, Volkskunst in Europa. Taf. CXXVIII/ 7.96 Gisela Reineking von Bock, Steinzeug. Katalog des Kunst-gewerbemuseums der Stadt Köln. Köln 1971, Abb. Nr. 734.
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