sprache jedesmal erst wieder erlernen, was ein Grund dafür sein mag, daßjede Generation da ihre eigenen Sprachschwierigkeiten gehabt hat. Mansollte sich nicht scheuen, aus den Erkenntnissen früherer Forschergenera-tionen zu lernen, unter Umständen auch ihre Mißverständnisse verstehenzu wollen, ihre Einsichten, die sich als möglich, ja als erwiesen erzeigen,dankbar aufzunehmen und darauf aufzubauen. Das Kapitel„ Volkskunstim Zeichen der Fische" hat wieder einmal Gelegenheit geboten, alle der-artigen Möglichkeiten abzuwägen, und die wenigen eigenen Erkenntnisse,die neu sein mögen, mit der bisherigen Forschung zusammenzustimmen.Wenn es in dieser Hinsicht einen Fortschritt geben sollte, dann wird manauch dabei die Sammlung, das generationenlange Zusammentragen dereinzeln oft unscheinbaren Gegenstände, als die wahre Mutter der Forschungansprechen müssen, und damit wieder die Funktion der Museen als Stättender Sammlung und der Forschung bestätigt finden.
1. FISCHERZUNFTGERÄT
Die in verschiedenen Landschaften sehr verschiedene gesellschaftlicheStellung der Fischer hat es mit sich gebracht, daß die Erinnerungen an ihreZusammenschlüsse, ihre Zünfte bei weitem nicht im gleichen Ausmaß er-halten sind wie diejenigen von eigentlichen Handwerkerzünften 19. Wo essich um Herrschaftsfischer, um Klosterfischer handelte, sind sie sicherlichnicht im gleichen Maß wie städtische Handwerker zu Zünften zusammen-getreten und haben dementsprechend auch nicht wie diese Zunfthäuser,Zunftherbergen besessen. In Ausnahmefällen wie beispielsweise in Würzburgwar dies aber der Fall und dann konnten sich auch viele entsprechendeZunftaltertümer erhalten 20. Im allgemeinen wurde ihr Gerät eher von derHerrschaft gekennzeichnet, und ihre Zusammenschlüsse hatten nur volks-rechtlichen Charakter, konnten aber auch die dazugehörenden Rechts-zeichen unter Umständen bewahren. Die Freude am Zunftwesen, dasStreben nach eigenen örtlichen Zunftwappen kam nicht überall gleich zumAusdruck. Es stellt eher eine Ausnahme dar, daß einmal einer Fischerzunft,nämlich der von Pöchlarn in Niederösterreich, von einem Kaiser, nämlichvon Matthias, 1614 ein eigenes Zunftwappen verliehen wurde 21.
Das macht sich auch bei der völlig unterschiedlichen Stellung derFischer in den Städten bemerkbar. In Wien wie in Klagenfurt sah manjahrhundertelang genau darauf, daß die Fischer unbedeckten Hauptes nurihre bestimmte Zeit am Markt ihre Fische verkaufen konnten 22, und
1 Karl Gröber, wie oben Anmerkung 5.20 Walter Brod, wie oben Anmerkung 9.
21 Alfred Grenser, Zunft- Wappen und Handwerks- Insignien. Frankfurtam Main 1889.( Zitiert bei Brod, S. 29, Anm. 81.)
22 Eberhard Freiherr von Künẞberg, Rechtliche Volkskunde(= Volk,Bd. 3), Halle an der Saale 1936. S. 114 ff.
11