6. FISCHGESTALTIGE GEFÄSSE
Gefäße in Tierform, Trinkgefäße vor allem, deuten immer auf einenbesonderen Zusammenhang des Trinkers mit dem betreffenden Tier an, ausdessen Körper er sozusagen trinkt. Wenn es sich um Gefäße für eine Gruppeoder eine Gemeinschaft handelt, wird der Gedanke an eine„, communio"nicht fernliegen. In diesem Sinn haben vor allem die Zünfte häufig ihreZunftgefäße in die Gestalten ihrer für sie wesentlichen Tiere bringen lassen.Wo sich Schätze von altem Zunftsilber erhalten haben, gibt es dafür dieerstaunlichsten Beispiele 149.
Von Zunftaltertümern der Fischer in derartigen Formen hat sich nichteben viel erhalten, aber einige Beispiele konnten doch schon genannt wer-den: Der„ Silberne Karpfen" der Würzburger Fischer, der aus der Mittedes 17. Jahrhunderts stammen dürfte, allen anderen voran 150. Der„, Zinn-fisch der Fischer von Augsburg 151 stammt aus dem Jahre 1698, und der,, Zinnerne Karpfen" der Fischer von Kitzingen ist wohl auch nicht vieljünger 152. Es wird an solchen Zunft- Fischen bei weitem mehr gegebenhaben.
Was für die Gemeinschaften recht war, konnte für die einzelnenFischer doch wohl billig sein. Sie konnten sich im allgemeinen wohl keinefischgestaltigen Gefäße aus Silber oder Zinn anschaffen, haben aberkleinere Gegenstücke aus Ton oder auch aus Glas besessen. In manchenGegenden sind solche Majolika- Fischgefäße offenbar allgemeiner in Ver-wendung gekommen und schließlich wenigstens eine Zeitlang gern gemachtund vertrieben worden. Das gilt vor allem für Italien, wo Majolikagefäßein Fischform mindestens seit dem 18. Jahrhundert erhalten sind 15s. Eshandelt sich dabei stets um kleine liegende Branntweinfläschchen, eigent-lich Fläschchen in Liegefaßform, wie sie von den eigentlichen Liegefäßchenund ihren Gegenstücken in Bären- und Wildschweinform besonders gutbekannt sind 154. Die Form mag sich bis zu einem gewissen Grad von derTisch- und Feldflasche aus Ton, dem ,, Lechel" herschreiben, wie es beispiels-weise aus dem Lande Hadeln bekannt ist 155. In diese Form des Liegefäß-chens konnte und kann man die Fischgestalt ,, hineinsehen". Manches Majoli-kagefäß in Fischform ist vom Lechel gestaltlich kaum weit entfernt. Dasgilt beispielsweise für die weißen, blaugeschuppten Majolikagefäße, wie siewohl im 18. Jahrhundert in Italien hergestellt und verwendet wurden,149 Karl Gröber, Alte deutsche Zunftherrlichkeit, wie oben Anm. 5.150 Walter Brod, wie oben Anm. 9, Abb. 10.151 Gröber, wie oben, Abb. 149 auf S. 113.152 Walter Brod, wie oben, S. 29.
153 OMV 34.100.
154 Leopold Schmidt, Volkstümlich geformtes, bemaltes, geschliffenesGlas. Katalog der gleichnamigen Ausstellung des Österreichischen Museums inSchloß Gobelsburg. Wien 1975, Nr. 1-7.
155 Otto Schwindrazheim, Deutsche Bauernkunst. Wien 1903, Abb.24/16 auf S. 53.
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