den Faẞriegeln aus der Pfalz 105. Überkreuzt geschnitzte Fische lassen sichauch auf barocken Schlittenköpfen erkennen 106. So hat sich aus Salzburgein derartiges gutes Stück erhalten, das ein Akanthusblatt und die beidennach vorn abwärts gebogenen Fische überkreuzt aufweist. Das Stückstammt wohl aus dem Salzburg des frühen 18. Jahrhunderts, und man wirddaran denken müssen, daß die Schlittenköpfe bei den prunkvollen Schlit-tagen in der fürsterzbischöflichen Residenz etwas auszusagen hatten. Siehatten eine mehr oder minder heraldische Funktion, man mag hier also anden Kopf des Prunkschlittens eines Fischmeisters denken. Die für das alteSalzburg besonders bedeutungsvollen Fischer von Liefering führten jeden-falls die zwei überkreuzten Fische in ihrem Siegel 107. Von da aus wäre eineweitere Verbreitung des Zeichens denkbar, wie man umgekehrt aber wohlauch an die lokale Spezialisierung eines auch sonst weiterhin verbreitetenSignums denken muß.
5. DREI UND MEHR FISCHE
Es gibt eine nicht ganz kleine Zahl von schönen hafnerkeramischenSchüsseln, Platten, Tellern, auf denen drei Fische in gekreuzter Anordnungdargestellt sind. Man spricht fachlich dann von„ Fischwirbel" oder ,, Fisch-Triquetrum". Diese Schüsseln mit den drei gekreuzten Fischen bildeten vomAnfang der neueren Volkskunstforschung an eine Art von Mittelpunktder ganzen sowieso sehr bescheidenen Erforschung der Fische in der Volks-kunst. Schüsseln mit einem oder zwei Fischen nahm man kaum zur Kennt-nis, erwarb sie wohl auch in geringerem Ausmaß als jene Schüsseln mit dem,, Fischwirbel" darauf.
Diese kleine Faszination schreibt sich sicherlich davon her, daß dieAnordnung in ihrer schönen Regelhaftigkeit nicht nur ästhetisch anspricht,sondern auch zur Sinndeutung anregt. Die Hafner müssen, meinte man,doch etwas Bedeutsames gemeint haben, wenn sie drei gleiche Fische sogeometrisch genau darstellten. Diese Ansicht wurde vor allem dadurch be-stärkt, daß man Parallel- Gestaltungen zu kennen glaubte. Die Erforschungdes Motives des„ Triquetrums" beginnt schon in den neunziger Jahren des19. Jahrhunderts 108. Die von Volkskunst- Theoretikern aufgeworfenenFragen um die Symmetrie im Volkskunstbereich ließen sich von hier ausdiskutieren. Aber vor allem schien die Parallele zu drei anderen ähnlichangeordneten Tieren von Wichtigkeit: Das Motiv der„ Drei Hasen mitzusammen nur drei Ohren" beschäftigte Sammlung und Forschung auf den
105 Volkskunst aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Katalog dergleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Köln. Köln 1969, Nr. 1001, Abb. 67.106 OMV 30.873.
107 Das Lieferinger Heimatbuch. Salzburg 1957, Titelblatt.
108 L.
von Rau, Triquetrum und verwandte Zeichen( Zeitschrift fürEthnologie, Bd. XXII, 1890, S. 491 ff.).
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