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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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dachtsbilder noch bezeugen 235. Diese Wendung zum Weltlichen hat sichbesonders beim keramischen Wanddekor ablesen lassen. Die AnsbacherManufaktur hat beispielsweise schon um 1763/64 farbige Wandfliesen mitfischenden Barockdamen hergestellt 236. Da nimmt die Querbeziehung zuden Gmundner Krügelmachern nicht wunder, welche solche Motive dannauf die Bauern- und Fischermädchen übertrugen. Am deutlichsten kommtdas Motiv der galanten Fischerinnen mit ihrem kleinen Netz wohl aufenglischen Wandfliesen zum Ausdruck, die zwischen 1757 und 1780 inLiverpool hergestellt wurden 237. Nur ein Schritt weiter, und die Modeder Chinoiserie war erreicht, welche allenthalben die kleinen fischendenChinesen auf Schalen und Fliesen bescherte. In Bristol wurde das Motivschon zwischen 1760 und 1770 auf Wandfliesen angebracht 238.

Mit dem Ende der großen Mode der Wandfliesen verschwanden dieseMotive auch wieder aus dem allgemein bekannteren Gebiet der angewand-ten Kunst. Nachfahren mag man etwa im Bereich der gestickten Wand-schoner und Polsterbezüge suchen, die im späteren 19. Jahrhundert eineWelle der bürgerlichen Frauenkunst mit sich brachte. Als kleiner Beitragzu den Fischmotiven in der Textilkunst sind sie immerhin zu erwähnen.Die gesamte ältere, textile Volkskunst, auch die ganze volkstümlicheStickerei, hat ja Fischmotive überhaupt nicht aufgenommen.

11. BIERGLASDECKEL UND BILDERGESCHIRR

Die alte Hafnerkeramik hatte, wenn überhaupt, so Fischmotive nursinnbildlich verwendet. Die Volksmajolika nahm Fischmotive selten auf,eher schon Fischer- und Schifferdarstellungen, wenn sie landschaftlich ge-rechtfertigt waren. So lassen sich im Bereich Gmunden immerhin einigegute Krügeln namhaft machen, die Schiffer und Fischer zeigen, meist imZusammenhang mit Gmunden, mit dem Traunsee.

Diese ältere Keramik, der im wesentlichen die Sammeltätigkeit derVolkskundemuseen in ihren ersten Jahrzehnten gegolten hat, stellt selbst-verständlich nur einen, wenn auch einen sehr wichtigen Ausschnitt aus demGesamtgebiet und Gesamtbesitz an Keramik dar. Das 18. Jahrhundertbrachte, wenn auch nur in bescheidenem Ausmaß, auch Porzellan in dieHäuser der Bürger und Bauern, und das 19. Jahrhundert erleichterte denZugang zu dieser Art von Gebrauchs- und Zierkeramik. Außerdem tratennun an die Seite der Porzellanmanufakturen die Keramik- Fabriken, welche

235 Leopold Schmidt, Sammlung Religiöse Volkskunst mit der altenKlosterapotheke im ehemaligen Wiener Ursulinenkloster(= Veröffentlichungendes Österreichischen Museums für Volkskunde, Bd. XII). Wien 1967, Nr. 30, S. 22.298 Gerhard Kaufmann, Bemalte Wandfliesen. München 1973, Farb-tafel XXIII oben.

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237 Kaufmann, ebd., Abb. 296 oben.

238 Kaufmann, ebd., Farbtafel XXII, 3. Reihe.