Einleitung
VOLKSKUNST IM ZEICHEN DER FISCHE
Die ,, Volkskunst im Zeichen der Fische" ist ein Teilbereich des großenGesamtgebietes der Volkskunst. Ein wenig beachtetes, wie man zugebenmuß, weil die Zahl der von den Sammlungen erworbenen Objekte mitFisch- und Fischer- Darstellungen gering ist im Vergleich etwa zu jenenObjekten, auf denen Hirsche und Gemsen und die dazugehörigen Jägerdargestellt erscheinen. Die Sammlungen haben sich in ihrer Frühzeit, vorund um 1900, eher an die völkerkundlichen Kollektionen angeschlossen unddaher Objekte zur Ethnographie der Fischer gesammelt. Die Netze undReusen, die Fischstecher und Fischlageln wurden zum Teil mit großemErfolg gesammelt. Und wenn heute gelegentlich noch einmal Fischergerätealtertümlicher Art erworben werden 2, etwa als„ Holzgerät in seinenUrformen" 3, dann sind das doch nur Nachklänge aus jener Zeit, in derbedeutende Ethnographen vom Süden bis zum Norden solche Geräte in dieMuseen einbrachten, mit den entsprechenden Arbeitsschilderungen dazu.Die Ernte dieser Bestrebungen bis zum ersten Weltkrieg hat Arthur Haber-landt in die Scheuer gebracht, der die altvolkstümliche Fischerei in seinGesamtkonzept einer Darstellung des kulturhistorischen Aufbaues der euro-päischen Volkskultur einzubinden unternahm 4.
Daneben ist wie gesagt nicht viel Zeit und Interesse für die eigentlichvolkskünstlerischen Gestaltungen geblieben, die mit oder ohne Zusammen-hang mit diesem Gebiet der volkstümlichen Wirtschaft entstanden. Abereinige Erwerbungen haben doch in diese anderen Richtungen weiterge-wiesen. Da waren es vor allem die Objekte aus dem Bereich der Zunft-zeichen, die darauf hinwiesen, daß die Fischer nicht nur eine altertümlicheWirtschaftsform betrieben und weiterübten, sondern daß ihr Tun in den
1 Michael Haberlandt, Österreichische Volkskunst. Text- und Tafel-band. Wien 1911.
Leopold Schmidt, Volkskunst in Österreich. Wien- Hannover 1966.Andre Desvallees und Georges Henri Riviere, Arts populairesdes pays de France. I. Arts appliques. Paris 1975. Abb. S. 114( Fischspeer).
3 Reinhard Peesch, Holzgerät in seinen Urformen(= Deutsche Aka-demie der Wissenschaften zu Berlin, Veröffentlichungen des Instituts für Volks-kunde, Bd. 42), Berlin 1966. Abb. 26, 27, 36.
4 Arthur Haberlandt, Die volkstümliche Kultur Europas in ihrergeschichtlichen Entwicklung(= Georg Buschan hg., Illustrierte Völkerkunde,Bd. II/ 2), Stuttgart 1926.
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