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Volkskunst im Zeichen der Fische : Ausstellung im Prämonstratenserstift Geras ; Katalog
Entstehung
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Vorwort

In dem schönen barocken Stiegenhaus des Praemonstratenserchorherren-stiftes Geras hängen zwei große Ansichten des Stiftes und seines Geländes.Der Schwabe Johann Rudolph Mohr ,,, Maller und Ingenieur gebürtig vonder Insel Reichenau" hat die beiden Breitbilder 1729 gemalt und sich offen-sichtlich bemüht, nicht nur das Stiftsgebäude, sondern auch sein ganzesWirtschaftsgelände ringsum genau zu erfassen. Durch diese topographischeTreue erscheinen auch die Fischteiche des Stiftes erfaßt, der Maler wirdgewußt haben, warum er sie so genau darstellte: Waren und sind sie dochein wesentlicher Faktor in der Wirtschaft dieses Stiftes an der nördlichenGrenze von Niederösterreich.

Die betonte Verbundenheit von Stift Geras mit seinen Fischteichen wardie Hauptanregung dafür, daß das Österreichische Museum für Volkskundeeine Sonderausstellung zum Thema der Fische in der Volkskunst in Gerasveranstaltete. Der Bestand an Volkskunst- Objekten mit Fischmotiven istnicht sehr groß, wenn auch vielleicht umfangreicher, als sich aus den bis-herigen Aus- und Aufstellungen hätte erkennen lassen. Auch von Veröffent-lichungen dieser Objekte konnte bisher nicht die Rede sein, was freilich auchdamit zusammenhängt, daß das Thema Volkskunst im Zeichen der Fische"in der Volkskunstforschung bisher überhaupt nicht gefragt war. Reinmengenmäßig betrachtet erscheint es ja auch verständlich: Wenn es in einergroßen Sammlung vielleicht hundert Objekte gibt, die dafür in Betrachtkommen, so gibt es für Hirsch- Motive vielleicht tausend, und für Vogel-Motive wahrscheinlich noch einmal das Doppelte. Dieser Sachverhalt hat diebisherige Forschung so weitgehend bestimmt, daß nicht einmal in dieTaschenwörterbücher der Volkskunde Österreichs auch nur ein Stichwort,, Fisch" aufgenommen wurde. Da hat es ja auf dem benachbarten Gebietder Fischer- Volkskunde, also der ethnographischen Erschließung von Arbeitund Gerät des Fischers mehr gegeben. Dafür sind nicht nur die Sammlungen,sondern auch die älteren Veröffentlichungen gute Belege. Diese ethno-graphische Richtung der Volkskunde sollte in der Ausstellung in Gerasnicht herangezogen werden. Dafür ist im Fischereimuseum in Schloß Orthan der Donau gesorgt. Für Geras war wieder der Bestand der eigentlichenVolkskunst heranzuziehen, mit Einschluß der knappen Randgebiete, ausdenen wenigstens einige Beispiele gebracht werden konnten.

Daraus hat sich also ein bisher nicht bekanntes neues Bild der Bedeu-tung der Fische in der alten Volkskunst ergeben. Den Mittelpunkt bilden

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