Jonathan Roth
Die dunkle Seite der Macht.Themenpolitik zu politischen Themen
Was gegenwärtig im Fach als„ politisch" benannt und erforscht wird,ist von einem auffällig„ entstaatlichten" Politikverständnis geprägt,das der„ offiziellen" Politik( Parlamente, Parteien, Verwaltungen etc.)wenn nicht skeptisch, so doch distanziert gegenübersteht. Der Beitragwirft einen Blick in die Fachgeschichte, um die Genese dieses volks-kundlichen Politikdenkens zu rekonstruieren und schließt mit einemPlädoyer für eine ethnographische Hinwendung zu staatlichen Politik-feldern, um auch diese„ dunkle Seite der Macht" in der kulturanthro-pologischen Forschung aufzuhellen.
Dimensionen des Politischen
Es klingt schon wie ein neuer wissenschaftlicher turn: Mit der Aus-differenzierung politischer Handlungsfelder in der Gegenwart einerindividualisierten und globalisierten Welt und dem Versuch, dieseWelt ethnographisch versteh- und beschreibbar zu machen, hat sich„ Politik" zu einer neuen kulturwissenschaftlichen Leitvokabel ent-wickelt. Die Hinwendung zu politischen Themen und Fragen gehtmit einer Selbstbefragung des Faches und der Erschließung neuerForschungsfelder einher. Was dabei in das Blickfeld der Forschunggerät, wird in der Regel unter einem weiten Politikbegriff subsu-miert, der geeignet ist, die ganze Weitläufigkeit des gesellschaftlichenAlltags durch eine politische Brille zu betrachten. Die„ Dimensionendes Politischen" im Fach umfassen dabei, wie es etwa in der Einla-dung zur gleichnamigen Österreichischen Fachtagung 2016 in Grazheißt, diverse„ Handlungsebenen und Referenzsysteme“, die glei-chermaßen amtliches Regierungshandeln, das zivilgesellschaftlicheEintreten für politische Ziele oder„ politisches Handeln in einemlebensweltlichen Sinne als produktives Alltagshandeln“ betreffen."