Karin Bürkert
Von ,, Harakiri“ und„ gefährlichenMenschen"- Brauchforschungund fachliche Erregung
Der Beitrag fragt nach der Wirkmacht habitualisierter Emotions-praktiken in Bezug auf die( angewandte) Brauchforschung. Anhandvon Quellenfunden aus der wissensanthropologischen Forschungzum Tübinger Arbeitskreis für Fastnachtsforschung wird untersucht,inwiefern sich in den späten 1960er Jahren ein Habitus in einemWissensmilieu des Faches herausgebildet hat, der bis heute nachwir-kenden Verhaltensnormen und Einstellungen bezüglich der Brauch-forschung geprägt hat. Abschließend wird die gegenwärtige Positionder angewandten Brauchforschung im sozialen Kräftefeld" desFaches diskutiert.
Vor einiger Zeit wurde ich zum ersten Mal um ein wissenschaftlichesGutachten gebeten, das die Bewerbung zur Aufnahme eines Brau-ches in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbesunterstützen sollte. Ich zögerte zunächst mit meiner Antwort undbat im Kolleginnenkreis um Rat. Folgende Antwort erhielt ich perE- Mail:„ Willkommen im Club.[...] Die Gutachterei ist jedenfallsnicht leicht, weil man sich damit schnell aus der kritischen[ Wissen-schaft] verabschiedet."
Das klang riskant: Birgt die Aufnahme in diesen„, Club" derGutachtenden etwa die Gefahr eines Ausschlusses aus der„ kriti-schen" Fachcommunity? Muss ein unterstützendes Gutachten rein
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Was im Fach derzeit und in historischer Genese unter„ kritischer"Wissenschaft verstanden wird, wäre einmal eine eigene Auseinander-setzung wert. Kein anderes Adjektiv scheint mir jedenfalls eine ähnlichnormative Wirkung in der Beurteilung von Forschung zu entfalten, ohnedabei wirklich klar definiert zu sein; vgl. dazu Timo Heimerdinger: Die