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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
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Christine Bischoff/ Cornelia Renggli

Schauplätze der ThemenpolitikAushandlungsprozesse in derVolkskunde/ Europäischen Ethnologie

Auf der Grundlage der Erkenntnisse von Ludwik Fleck zum Denkstilvon Denkkollektiven widmet sich der Beitrag den themenpolitischenAushandlungsprozessen im Fach Volkskunde/ Europäische Ethnologie.Untersucht wird, welche Personengruppen auf den Schauplätzen Institute", Fachgesellschaften, Publikationen, Kooperationen"und Fördergelder" auf welche Weise Themen debattieren. Im Zentrumder Analyse stehen die vielfältigen Praktiken und die verschiedenenEinflussfaktoren themenpolitischen Handelns.

Einleitung: Wo, wie und von wem

wird Themenpolitik verhandelt?

Diskussionen um Themen, Gegenstände, Perspektiven und metho-dische Zugänge eines Faches sind häufig nicht nur politisch, sondernauch emotional und moralisch aufgeladen. Sie leisten einen wichtigenBeitrag zur Erfüllung eines Kernanspruchs von Wissenschaft: dertransparenten Nachvollziehbarkeit von Erkenntnissen. Diese Aus-einandersetzungen sind mehr als bloßes Agenda- Setting innerhalbeiner Disziplin, da verhandelt wird, was überhaupt Gegenstand vonWissenschaft sein kann, wann Praxis als Wissenschaft gilt, welcheReichweite wissenschaftliche Aussagen für sich beanspruchen kön-nen, auf welchem Weg Wissenschaft zu ihrem Wissen gelangt undworin die legitimen Motivationen und Ziele des Forschens bestehen.Insbesondere Letzteres verweist auf Fragen von Wissenschaftsethikund-kultur, die je nach Disziplin, kulturellem Umfeld und soziohis-torischem Kontext höchst unterschiedlich ausfallen können.

Der Arzt und Philosoph Georges Canguilhem hebt auf dieGeschichte und Geschichtlichkeit jeder menschlichen Erkenntnis ab