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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
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Timo Heimerdinger/ Marion Näser- Lather

Einführung: Gute Themen,schlechte Themen¹

Eine akademische Disziplin ist u. a. durch die Summe dessen bestimmt,was unter ihrem Namen stattfindet und damit zugleich auch dadurch,was unter ihrem Namen nicht stattfindet, also ausgespart bleibt.

Das Fach Europäische Ethnologie² hat viele, auch sehr pro-duktive Versuche unternommen, zu bestimmen, was seine Themen,Zugänge und Gegenstände seien, was es ausmache und wie es somitpositiv zu definieren sei. Gegenwärtige Bestimmungen scheinen unsetwa z. B. um die Begriffe von unten, akteurszentriert, kritisch"oder, ethnografisch zu kreisen- die Liste wäre zu erweitern.

Diese Tagung unternimmt jedoch den Versuch, den umge-kehrten Weg zu beschreiten und sich mit den Aussparungen, denabgewehrten, verschmähten, gemiedenen oder ausgegrenzten The-men zu befassen: Wir fragen danach, was nicht der Fall war oderist bzw. programmatisch- normativ gewendet: danach, was angeblichoder offensichtlich nicht der Fall sein darf oder soll, nach Formen und

1 Dieser Text basiert auf dem als pointierten Diskussionsimpuls konzi-pierten und vorab zirkulierten Einführungsreferat dieser Duktus samtVortragsstil wurde weitgehend beibehalten. Dass manche der hier ange-stellten Überlegungen im Lichte der folgenden Tagungsbeiträge etwasholzschnittartig erscheinen und dort weiter präzisiert und differenziertdiskutiert werden, sehen wir als Erfolg. Daher haben wir die entsprechen-den Formulierungen auch nicht nachträglich überarbeitet oder geglättet.Teile der Überlegungen sind bereits vor der Tagung in eine Publikationeingegangen: Timo Heimerdinger: Die Schädlichkeit der Nützlichkeits-frage. Für das Ideal der Werturteilsfreiheit. In: Österreichische Zeitschriftfür Volkskunde LXXXI/ 120, 2017, S. 81–90.

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Hier die benennungspolitische salvatorische Klausel: Natürlich ist dasFach Volkskunde samt allen Nachfolgedisziplinen" im gesamten Spekt-rum der kursierenden Benennungen gemeint. Für die Publikation wurdeder Einfachheit halber die Bezeichnung gewählt, unter der das Fach der-zeit am Veranstaltungsort der Tagung, aus der diese Publikation hervorge-gangen ist, also Innsbruck- firmiert.