Mirko Uhlig
Lachen im, mit dem
und über das Feld.
Über das legitime und illegitimeVerhältnis zu Forschungs-
gegenstand und-partnern
Der Gegenstand dieses Beitrags ist das Lachen im Spannungsverhältniszwischen forschungsethisch legitimierbarem Akt und„ moralische[ r]Verwerflichkeit". Anhand von Beispielen aus der interdisziplinärenForschungsliteratur sowie eigener Beobachtungen wird diskutiert,inwiefern das Lachen im Sinne einer affirmativen beziehungsweiseaversiven Äußerung im Rahmen ethnographischer Forschungen Auf-schlüsse geben kann über Abgewehrtes und Verschwiegenes innerhalbder Europäischen Ethnologie. Es wird dafür plädiert, als Feldforscherinund Feldforscher auch die selbstentlarvenden Reaktionen- sofernsie über persönliche Befindlichkeiten hinausweisen- als Datum für diekulturwissenschaftliche Deutungsarbeit zu nutzen.
Sich öffentlich über jene Menschen abschätzig zu äußern, die im Rah-men einer Forschung interviewt und begleitet wurden, die freiwilligeigene kostbare Lebenszeit aufgebracht und mitunter sehr persönlicheEinblicke erlaubt haben, wird als massiver Vertrauensbruch gewertetund gehört daher zu den unverzeihlichen Fehltritten, die sich Vertre-terinnen und Vertreter einer Wissenschaft des Verstehens keinesfallsleisten sollten. Mit Blick auf die Wissenschaftsgeschichte könnte
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Einleitung von Heimerdinger/ Näser- Lather in diesem Band, S. 11.
Vgl. etwa die Frankfurter Erklärung zur Ethik in der Ethnologie derDeutschen Gesellschaft für Völkerkunde( seit 2017 Deutsche Gesellschaftfür Sozial- und Kulturanthropologie) vom 2.10.2009. Online einsehbar