Bernd Jürgen Warneken
Rechts liegen lassen?
Über das europäisch- ethnologischeDesinteresse an der Lebenssituationnichtmigrantischer Unter- undMittelschichten
Unser Fach hatte sich in der Reformphase nach 1968 vorgenommen,sich angelegentlich mit dem Gegenwartsalltag der Vielen zu befassen.Dieses Vorhaben wurde aber nur begrenzt umgesetzt. Und auch heutegibt es nur wenige oder zumindest: zu wenige Untersuchungen über dieLebensweisen und Kulturen von Angehörigen unterer und mittlererBildungs- und Sozialschichten, zumal zu solchen ohne Migrationshin-tergrund. Mit der Folge, dass ausgerechnet die NachfolgerInnen derVolkskunde sich in der öffentlichen Diskussion um diejenigen, die heute" Wir sind das Volk" rufen, wenig zu Wort melden.
Parteien und Bewegungen mit einer nationalistischen und frem-denfeindlichen Agenda verzeichnen in vielen Ländern West- undOsteuropas, darunter bekanntlich auch in Österreich und in Deutsch-land lebhaften Zulauf. Ihre vielen Anhänger und( deutlich wenigervielen) Anhängerinnen stammen aus unterschiedlichen sozialenStrata, Angehörige unterer und mittlerer Bildungsschichten sind inihnen jedoch überproportional vertreten. So kam die„ Alternativefür Deutschland", die bei der Bundestagswahl 2017 12,6% erzielte,bei den WählerInnen mit Mittlerer Reife auf 17% und solchen mitHauptschulabschluss auf 14%- gegenüber 11% mit Hochschulreifeund 7% mit einem Hochschulabschluss. ArbeiterInnen wiederumstimmten zu 21% für die AfD.' Eine Wähleranalyse der Bertelsmann
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Vgl. u. a. Daniel Wüstenberg: Bildung, Beruf, Herkunft: Wer für die AfD