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Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
Entstehung
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Kaspar Maase

sozusagen um einen Vielnamenstrom; er hieß Kunst und Volk"- inDeutschland zumeist mit volkserzieherischer Ausrichtung- bezie-hungsweise Volk und Kunst"( in Deutschland entweder mit völki-scher oder mit radikaldemokratisch- sozialistischer Orientierung).Auch das Stichwort Volkskunst" ist hier einschlägig. Die alte Volks-kunde war da durchaus involviert- wenn auch, wie Konrad Köstlineinmal nüchtern konstatiert hat, ihre Volkskunst- Debatten zumin-dest in der Zwischenkriegszeit sehr speziell, eng und eher randstän-dig❝16 wirken.

Durch die Gläser der Fachgeschichte betrachtet, handelt essich jedenfalls um einen derart reißenden Diskursstrom, dass manvon ihm tunlichst Abstand halten sollte; wer hineingerät, ist baldverloren. Mit guten Gründen war der Blick auf die alte Volkskunde

überhaupt auf alles, was sich auf das Volk beruft- Jahrzehntelang bestimmt von Ideologiekritik. Und wer sich umschaut in einemEuropa, dessen BürgerInnen immer lauter angerufen werden, siesollten sich als Volk ihr Land zurückholen, der wird von dieser Kritiknichts preisgeben wollen.

Doch gibt es in diesem Strom eine( eher schwache) Linie, andie ich anknüpfen möchte. Hier wird die durchschnittliche Bevöl-kerung in der Tradition der Aufklärung als ästhetisch selbstlernendund selbstbildend gedacht, also als aktiv. Im Unterschied zu vielenanderen Ansätzen geht es dabei jedoch nicht um( volks-) künstlerischeKreativität. Man kann ästhetisch aktiv und kompetent sein, ohne-quasi in einer Volksausgabe der großen Kunst"- laienhaft selbstetwas zu schaffen. Rezeptiver Umgang mit Kunst ist hier eine ästhe-tisch ernst zu nehmende Praxis.

Dieses Lernen, diese Selbstbildung, wird nicht pastoralverstanden: als Prozess, der angeblich nur unter der Führung vonLehrern, Volkserziehern oder ähnlichen intellektuellen Hirten funk-tionieren kann." Vielmehr wird hier die nicht zur formellen Studier-

16 Konrad Köstlin: Volkskünste". Ästhetische Programmatik in Lebensent-würfen der zwanziger Jahre. In: Herbert Nikitsch, Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1995in Wien. Wien 1997, S. 39-54, hier S. 45.

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Vgl. Zygmunt Bauman: Gesetzgeber und Interpreten. Kultur als Ideolo-gie von Intellektuellen. In: Hans Haferkamp( Hg.): Sozialstruktur undKultur. Frankfurt a. M. 1990, S. 452-482.