Rechts liegen lassen?
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in Wien eine erste, international besetzte Tagung durchführte. Dierege Forschungstätigkeit, welche die Kommission in den folgendenJahren entfaltete, galt allerdings zum größten Teil nicht der Arbei-teralltagskultur, sondern der Arbeiterbewegungskultur und hierbeiwiederum vor allem deren Blütezeiten. Als dann die sozialistischenParteien und die Gewerkschaftsbewegung nach ihrem Wiederauf-schwung in den 1970er Jahren gegen Ende der 1980er Jahre und vorallem nach 1990, nach dem Ende des„ real existierenden Sozialismus“in Europa, immer mehr erodierten, schwand das Fachinteresse anden Arbeitern. Das Realsubjekt Arbeiterschaft war noch da, aber dasSymbolsubjekt Arbeiterklasse war verblasst. Und diese real existie-rende Arbeiterschaft machte es den EthnographInnen zunehmendschwer, auch nur Empathie, geschweige denn Sympathie zu entwi-ckeln. In den zeitgenössischen Arbeitermilieus wurde ja offenbarzunehmend das Gegenteil dessen gedacht und getan, was die neuensozialen Bewegungen und die postmodernen Kulturwissenschaftenfür richtig hielten. Hier wurde anscheinend vorwiegend gegen dieökologischen, gegen die feministischen, gegen die antirassistischenPositionen gelebt, denen sich viele ForscherInnen verpflichtet fühl-ten. Dieses Problem hat sich in den letzten Jahren noch zugespitzt,weil große Teile der oberen Bildungsschichten, insbesondere derakademisch Gebildeten noch multikultureller, noch kosmopolitischergeworden und untere wie mittlere Bildungsschichten teilweise voneinem passiv- murrenden zu einem aktiven und lauten Widerstandgegen eben diesen Kulturwandel übergegangen sind unterstütztvon Morgenluft oder besser Abendlandluft Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandluft witternden rechtskon-servativen PublizistInnen und Thinktanks.
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Es ist natürlich erklärlich, fast verständlich, wenn Aka-demikerinnen und Akademiker keine große Lust dazu haben,feldforschend in diese kulturkonservativ erscheinenden Milieus ein-zutauchen, gar unter rechtsradikalen Hooligans in der Südkurve zustehen, bei Pegida- Aufmärschen freundlich die Leute zu interviewen( wobei es wohl schon ein wenig weiterhülfe, sie beim Heimweg nacheinem Aufmarsch anzusprechen) oder an Stammtischgesprächen in
9 Vgl. Helmut Fielhauer, Olaf Bockhorn( Hg.): Die andere Kultur. Volks-kunde, Sozialwissenschaften und Arbeiterkultur. Ein Tagungsbericht.Wien, München, Zürich 1982.