Druckschrift 
Wie kann man nur dazu forschen? : Themenpolitik in der Europäischen Ethnologie
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

18

Timo Heimerdinger/ Marion Näser- Lather

jedoch die Notwendigkeit einer Begriffsbestimmung derselben. Wienun Nutzen definiert werden kann, hängt von dem jeweils individuellimaginierten Idealzustand von Gesellschaft ab, also von der Defini-tion vorwissenschaftlich- kontingenter Kriterien oder Axiome. Undnatürlich muss gefragt werden: Ist die Forderung der Nützlichkeitüberhaupt legitim? Wissenschaft ist Erkenntnis um der Erkenntniswillen. Hat unser Fach andererseits eine Verantwortung oder gar eineVerpflichtung gegenüber der es fördernden Gesellschaft, sich aktuel-len gesellschaftlichen Problemen zu widmen? Lässt sich tatsächlicheine Verantwortung der Europäischen Ethnologie ableiten, unmit-telbar gesellschaftsrelevante- im Sinne von: problemlösender- For-schung zu betreiben?

In diesem Zusammenhang kommen uns zwei Formulierun-gen in den Sinn, eine relativ aktuelle und eine 45 Jahre alte: die aktu-elle ist die von der sogenannten Third Mission, einem gegenwärtigteilweise hoch gehandelten Schlagwort, das etwa in einem Konzept-papier der Universität Wien folgendermaßen bestimmt wird:

Der Bedarf nach relevanter sozialer und technologischerInnovation ist in Anbetracht der gegenwärtigen rapiden Ent-wicklung und Veränderung der gesellschaftlichen, politischenund ökonomischen Rahmenbedingungen enorm gestiegen.Somit haben sich auch die Forderungen nach einer innova-tiven Universität, die sich im Zentrum jener gesamtgesell-schaftlichen Veränderungen und Herausforderungen versteht[...] und dort aktiv wird, verstärkt[...]. Der Universität alsgrößte soziale, politische und technologische Innovatorinkommt eine wegweisende Aufgabe zu. Neben der Beteili-gung am Lösen globaler Probleme werden auch verstärktesregionales Engagement und Kooperation mit Unternehmengefordert[...]. Die wissenschaftliche Community ist vor demHintergrund des gesellschaftlichen Vertrags zunehmendangehalten, die Relevanz ihrer Aktivitäten zu begründen, denNutzen für die Gesellschaft klar zu machen und ihre finanzi-ellen Bedürfnisse zu rechtfertigen. 11

11 Universität Wien( Hg.): Third Mission der Universität Wien. ErsterZwischenbericht. Wien 2016, http://thirdmission.univie.ac.at/fileadmin/