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Bachern-Sagen : Volksüberlieferungen aus der alten Untersteiermark
Entstehung
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nahm diese sie bei der Hand und führte sie in ihr Haus. Willst du weißesoder schwarzes Brot?" fragte die Frau. Da überlegte das Mädchen nichtlange und sagte bescheiden: Schwarzes! Zu Hause bekomme ich ja auchkein anderes!" Da gab die Frau ihr feines weißes Brot und fragte weiter:,, Willst du schwarzen Kaffee oder weißen?" Und wieder war das Mädchenmit dem schwarzen zufrieden, bekam es doch zu Hause nur Einbrennsuppe.Die Frau aber gab ihm guten, weißen Kaffee. Komm abends wieder zumir", sagte sie dann, ,, du sollst bei mir schlafen."

Das Mädchen ging wieder zu seinen Schafen, trieb sie abends beizeitenheim und lief dann zum Haus der schönen weißen Frau zurück. Willst duauf dem Federbett oder auf Fetzen schlafen?" fragte die. Ach", antwortetedas Mädchen ,,, ich habe zu Hause auch nur Fetzen!" Da legte die Frau sie inein weiches Federbett. Und als das Mädchen ihr beim Erwachen freundlicheinen guten Morgen wünschte, setzte sie ihm eine goldene Krone auf denKopf und sagte, es möge nur immer zu ihr zum Essen kommen.

Da lief das Mädchen fröhlich heim, und als die Mutter wissen wollte,wie es zu der goldenen Krone gekommen sei, erzählte es, was ihm wieder-fahren war.

Das hörte die Schwester, die es immer gut zu Hause hatte. Sie wollteauch eine goldene Krone haben, also zog sie am folgenden Tag ihre schlech-testen Kleider an und trieb selber die Schafe aus. Auf der Weide warf sieihr Brot über den Hang hinunter und zwang sich zum Weinen. Da kamauch wirklich die weiße Frau und nahm das Mädchen heim. als sie es aberfragte, ob es schwarzes oder weißes Brot wolle verlangte das Mädchenweißes; denn das bekam es auch zu Hause. Die Frau aber gab ihm schwar-zes. So ging es auch mit dem Kaffee, und als das Mädchen beim Schlafen-gehen im Federbett liegen wollte, wie es das von daheim gewohnt war,mußte es auf einem Bündel Stroh auf dem Boden schlafen und sich mitFetzen zudecken. Morgens wachte es mürrisch auf, grüßte nicht und bekamauch kein Krönlein. Da lief es zornig heim, riß der Stiefschwester die Kronevom Kopf und setzte sie sich selber auf.

Das brave Mädchen machte sich nicht viel daraus und ging wie gewohntzur Schafhalte. Da kam wieder die weiße Frau zu ihr. ,, Wo hast du denndie Krone?" fragte sie. Das Mädchen sagte ihr, wie es zugegangen war. Daswollte aber die weiße Frau, die niemand anderer als die Muttergottes war,nicht dulden. Sie zauberte die Krone herbei und setzte sie dem Mädchen soauf den Kopf, daß niemand sie ihm mehr nehmen konnte. Die böse Schwe-ster aber hatte das Nachsehen.

98. Die Geschichte vom Paltschek( Daumenhansl)

Am Roßweiner Bachern ackerte einst ein Bauer. Da kam ein feiner Herrdes Weges, blieb stehen und schaute ihm bei der Arbeit zu. Es war aberauch merkwürdig: die Ochsen des Gespannes verrichteten ihre Arbeit, ohnedaß sich der Bauer um sie kümmerte. So fragte denn der Stadtherr: Wiemacht Ihr das nur? Die Ochsen gehen ganz allein und wenden ohne Anruf;wie ist das möglich?" Da zeigte der Bauer auf das Ohr des einen Zugtieres:,, Seht dort nach, da sitzt mein braver Paltschek. Der ist's, der besorgt alles!"Da staunte der feine Herr noch mehr und er bat den Bauern, ihm doch denDaumenhansl zu verkaufen. Der Bauer aber wollte nicht.bm sir Asb

Paltschek hatte den Wortwechsel gehört, winkte seinen Herrn heranund bat, ihn zu seinem Ohr zu heben, er hätte etwas Wichtiges zu sagen.

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