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Bachern-Sagen : Volksüberlieferungen aus der alten Untersteiermark
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III. Von Waldwesen, Seen und Waldgeistern

25. Visotschnik und die Waldfrauen

Mitten im Winter 1840 kamen die Waldfrauen zum Bauern Visotschnik,dem sie gut gesinnt waren, und rieten ihm, Feldbohnen zu säen; es sei jetztdie beste Zeit dazu. Indessen lagen aber noch die Eiskrusten auf den Feldernan den steilen Berghängen, und die Nachbarn lachten Visotschnik aus undspotteten über die heiligen Frauen. Die hätten gewiß Hunger und würdennachts kommen und die Bohnen aufsammeln! Visotschnik hielt aber viel aufdie Waldfrauen, säte, wie sie es ihm geraten hatten und ließ sich auch nichtirre machen, als die Bohnen über die Eisdecke sprangen. Die Nachbarnmochten spotten, was sie wollten. Als aber der Sommer gekommen war,standen auf der Steilleite des Visotschnik die Bohnenstauden so dicht wienoch nie und waren übervoll mit Schoten. Er hatte die reichste Ernte in derganzen Gegend.

26. Die Waldfrauen der Poschtela

Im Jahre 1834 pflückte eine Frau aus Roßwein mit ihren beiden Mäd-chen nahe dem Ringwall der Poschtela Erdbeeren. Als ihre Gefäße vollwaren, hielten sie an der Zisterne Rast und machten sich dann auf denHeimweg. Wie erschraken sie aber, als sie nach kurzer Zeit wieder an dieZisterne kamen. Sie versuchten, den Weg in der anderen Richtung zu gehen,doch der führte sie wiederum zur Zisterne zurück. Da beschlossen sie, biszum Morgen dort zu bleiben und bei Tagesanbruch den richtigen Weg zusuchen. Die Kinder schliefen bald auf dem Schoß der Mutter ein.

Mitternacht war längst vorbei, als der Mutter zwei weiße Frauenerschienen und fragten, warum sie noch so spät im Walde sei. Da erzähltedie Frau, wie es ihnen ergangen war und bat die weißen Frauen, ihr denrichtigen Weg zu zeigen. Da nahmen die beiden die Mutter und die Kinderan der Hand und führten sie bergab. Als sie aber den Ringwall überschrittenhatten, erkannte die Mutter mit einem Mal wieder den richtigen Weg. Imgleichen Augenblick waren die weißen Frauen verschwunden und Mutterund Kinder erreichten wohlbehalten ihr Häuschen in Roßwein.

27. Ein Bauer heiratet eine Vila

Oberhalb von Feistritz hauste eine Vila, die öfters zu den Bauern kam,und sie gefiel einem so gut, daß er sie zur Frau nehmen wollte. Gut", sagtedie Vila,, du darfst mir aber nie einen Wunsch abschlagen und mußt michimmer gewähren lassen!"

Das versprach der Bauer und hielt es auch getreulich. Als aber die Frauein Mädchen gebar, drehte sie ihm gleich nach der Geburt den Hals um. Sogeschah es auch zum zweiten Mal, als sie einen Knaben zur Welt brachte.Dem Bauern schnitt das ins Herz, aber er ließ sie gewähren, wie er es ver-sprochen hatte.

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