LAND UND LEUTE
Das Gebiet, dessen Sagengut Gegenstand dieses Büchleins ist, liegt inder einstigen Untersteiermark. Sein Kern ist das Bachergebirge, der süd-östlichste Ausläufer der Zentralalpen, von denen es die Drau mit ihremromantisch- engen Durchbruchstal zwischen Unterdrauburg und Faal abge-schnitten hat. Der Gebirgsstock besteht hauptsächlich aus einer eruptivenFördermasse( Granit), die ältere Gesteine, Glimmerschiefer und Gneis,durchbrach. Aus diesen setzen sich die Vorberge zusammen, die sich südlichder Linie Faal- St. Lorenzen- Reifnig- St. Anton erheben und geophysischschon dem Poẞruck angehören. Quarz und Holz waren die Vorbedingungender einstigen Glasindustrie; Granit wird heute noch zu Pflastersteinen ver-arbeitet. Marmor findet sich an mehreren Stellen und hat wohl schon denRömern das Material für ihre Gedenksteine, wie manche Stücke in denMuseen in Marburg und Pettau geliefert. Der Mineraloge kommt hierjedenfalls auf seine Rechnung.
Der Bachern zeigt ausgesprochene Kammbildung. Der Hauptkammstreicht von Unterdrauburg ausgehend bogenförmig südlich der Drau bisgegen Marburg. Im Südosten wird er von der fruchtbaren Ebene des oberenPettauerfeldes, einer Schotterflur eiszeitlicher Bildung, begrenzt, währendihn im Südwesten der Pulsgau- und der Misslingbach vom WeitensteinerGebirgszuge scheidet. Seine Dreiecksgestalt läßt die Karte erkennen. AmSchwarzen Berge( 1543 m) erreicht er seinen höchsten Punkt. Die mittlereKammhöhe des Westbachern liegt nur wenig niedriger. Diesen begleitetknapp südlich des Draudurchbruches der Vorbachern zwischen Saldenhofenund Faal mit fast 1000 m Kammhöhe. Zwischen ihm und dem Hauptkammliegen die sonnendurchfluteten Becken von Reifnig und St. Lorenzen, ausdenen drei Bäche in tiefen, wilden Schluchten den Vorbachern zur Drau hindurchschnitten haben.
Fast genau in der Mitte birgt der Bachern eine Plateaulandschaft, diegleich einem Baldachin von den Gipfeln des Gebirges, dem Großkogel, derGonobitzer Schwaig und dem Schwarzen Berge getragen wird. Nach allenSeiten hin lösen sich die Hänge in Hunderte von Rücken auf, die nach Südenhin sanfter verlaufen; im Norden aber steigt der Hauptkamm fast unver-mittelt steil aus den Vorlagen empor. Zwischen den Rücken springen durchunzählige Gräben, Schluchten und Klammen klare Quellen und forellen-reiche Bäche, die eine große Zahl von Sägemühlen treiben.
Wohin das Auge blickt: Wald, unermeßlicher Wald. Kein Schienenweg,kaum eine Landstraße durchbricht den Frieden dieser unberührten Land-schaft. Auch die kleinen Kirchdörfer stören die Ruhe des Hochwaldes nicht,weit verstreut liegen sie auf den langgezogenen Rücken und säumen ringsumden Fuß des Gebirges. Ein Viertelhundert Schlösser, Burgen und Ruinenerinnern an die kleinen Herrschaften der mittelalterlichen Feudalzeit. Ausdieser Zeit stammen auch die meisten der achtzig Kirchen am Bachern, von
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