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Bachern-Sagen : Volksüberlieferungen aus der alten Untersteiermark
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ن اونلار 95

II. Von der Wilden Jagd und dem Wilden Jäger

17. Die Wilde Jagd

Von der Wilden Jagd wurde am Bachern viel erzählt. So soll sie um1850 in der Gegend von Rotwein gehört worden sein; mit ohrenbetäuben-dem Lärm kam sie bald von der einen, bald von der anderen Seite daher,daß der Beobachter endlich in ein sicheres Haus flüchten mußte. Um 1880ist sie eines Abends dem Ziringer Vater, der Jagdaufseherdienste ver-richtete, auf der Poschtela begegnet: erst hörte er von Nordwesten her einehelle, laute Stimme, die immer stärker wurde. Dann trat der Mond aus denWolken und ein Hund, der zur Größe eines Kalbes anwuchs, kam auf ihnzugelaufen. Zugleich erhob sich ein mächtiger Sturm, der die Baumwipfelzur Erde bog und dem Ziringer den Hut wegwehte. Da ergriff er die Flucht.Die Wilde Jagd fuhr hinter ihm her, mit einem Getöse, als ob Weingarten-stecken über den Hang hinabrollten. Doch tags darauf war keine Spur davonzu sehen.

18. Der Wilde Jäger

Dem Wilden Jäger ist man vielerorts begegnet: So bei Rotwein, wo er,grün gekleidet, mit zwei Jagdhunden und viel Lärm daherkam; in derHochgemeinde Pachern des Nachts als Schatten mit zwei Hunden, die sichgleich Schattenkugeln vor ihm herwälzten; auf der Wiese des slowenischenKalvarienberges mit einem schwarzen Hund; in Bergental oberhalb derMarinschen Hube und nördlich der Hube selbst mit zwei grauen, fuchs-ähnlichen Hunden; bei Feistritz im Vicktringhofer Waldl mit einem weißer.Hund und Schießen, was wie Peitschenknallen klang; ferner 1860 in Zmolnigvor dem Hofe des jungen Haritsch mit argem Lärm, ähnlich dem Lautbrakender Hunde, während sich sein Schießen wie Stockschläge auf einemLattenzaun anhörte; endlich bei Ponigl südlich des Wotsch, lärmend mitzwei Hunden.

19. Komauers Kampf mit der Wilden Jagd

In jüngeren Jahren wohnte der Komauer in Kötsch. Er war mit Bur-schen aus dem nahen Nußdorf befreundet. Einmal war er mit dreien vonihnen bis spät abends bei der Weinlese in Tschretten westlich von Schlei-nitz gewesen, und obgleich er allseits aufgefordert wurde, über Nacht zubleiben, machte er sich gegen elf Uhr auf den Heimweg.

Schon hatte der Komauer das Gebirge hinter sich und kam am herr-schaftlichen Teich von Schleinitz vorüber, als er es in den Lüften klingenhörte. Eine schauerliche Musik war es, als ob alle wilden Tiere und weißGott was noch herangewirbelt käme. In Windeseile kam es näher, wurdebrüllend laut, dann wich es wieder bergwärts. So tobte es hin und her.Komauer wußte nicht recht, was er tun sollte. Umkehren wollte er nicht,um nicht ausgelacht zu werden. So ging er beherzt gegen Kötsch weiter.

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